Deutschland sucht den Impfpass – bald nicht mehr

Das Robert-Koch-Institut (RKI) stufte 2017 drei bis fünf Prozent der deutschen Bevölkerung als Impfgegner ein; 2014 kam eine Befragung auf zwei bis vier Prozent. Etwa ein Prozent der in diesem Zusammenhang befragten Eltern lehnen es strikt ab, ihre Kinder impfen zu lassen. In Ländern mit niedrigerem Bildungsstandard liegt der Anteil teils deutlich höher.

Im Jahr 2006 waren in Deutschland nur 83,2 Prozent der einzuschulenden Kinder zweimal gegen Masern geimpft, 2011 waren es 92,1 Prozent und 2016 92,9 Prozent. Und die zweite Masernimpfung, die erst den verlässlichen Schutz vor einer Masernerkrankung erzeugt, ist – wiederum nach Daten des RKI – bei vielen Kindern nicht im idealen Zeitabstand, sondern mehr oder weniger verspätet erfolgt.

Es reicht nicht, dafür zu sein, man muss es auch tun

Was sagen uns diese Daten? Es gibt erstens eine Differenz zwischen der Zahl der nicht geimpften Kinder und der Zahl von bekennenden Impfgegnern. Und die nicht altersgerechte Wiederholungsimpfung hat zwar jeweils verspätet stattgefunden, wurde aber durchgeführt. Also lehnt ein Teil der Eltern offenbar Impfungen nicht generell ab, sondern vergisst schlicht Impftermine. Vergesslichkeit ist im Hinblick auf Wiederholungsimpfungen nicht allein das Problem mancher jungen Eltern. Etwa ein Viertel aller Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren ist laut RKI nicht mehr ausreichend gegen Tetanus geimpft, fast 50 Prozent haben einen ungenügenden Schutz gegen Diphtherie und nur jeder Zehnte aus dieser Altersgruppe ist noch immun gegen Keuchhusten. Der Grund: viele Menschen denken einfach nicht daran. Den Vergesslichen und all jenen, die ihren eigenen aktuellen Impfstatus nicht überblicken aber kennen sollten, kann jetzt geholfen werden – sofern sie bei der AOK PLUS versichert sind

Digitalisierung hilft

Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen hat die Gesundheitskasse einen elektronischen Impfpass entwickelt. Darin werden alle Immunisierungen dokumentiert, indem die Daten auf einem Server im Sicheren Netz der KV gespeichert werden. Nach den Kriterien der Ständigen Impfkommission (StIKo) und der Sächsischen Impfkommission (SIKO) prüft der eImpfpass, ob der jeweils individuelle Schutz des Versicherten vollständig ist und weist auf eventuelle Impflücken sowie fällige Auffrischungen hin. Das klingt so simpel wie genial.

Einfach gemacht wird Versicherten der AOK PLUS in Sachsen und Thüringen auch der Zugriff und die Nutzung auf das neue Produkt. Sie können über die Online-Geschäftsstelle unter plus.meine.aok.de – die aktuell insgesamt fast 400.000 Nutzer hat – unkompliziert auf ihren eImpfpass zugreifen. Automatisch sind dort jeweils alle Impfungen der letzten sechs Jahre erfasst. Da auf Grund gesetzlicher Vorgaben ältere Daten durch die Kasse zu löschen sind, müssen weiter zurückliegende Impfungen zunächst aus dem traditionellen gelben Impfausweis übertragen und vom teilnehmenden Arzt elektronisch bestätigt werden. Das ist aber eine Sache von wenigen Minuten.

Der Dresdner Internist Dr. Alexander Poch war in die Entwicklung des eImpfpasses von Anfang an einbezogen und hält ihn für „eine gute, schlaue Sache.“

Er sei von Patienten in seiner Praxis schon danach gefragt worden und wünscht sich mehr Zuspruch von seinen Berufskollegen. „Das Projekt steht und fällt damit, dass viele Ärzte teilnehmen. Je dichter das Netz wird, umso besser wird es.“

Juristische Gleichstellung mit dem gelben Heft als Ziel

„Schon jetzt ist der eImpfpass ein wichtiger Schritt in Sachen Digitalisierung im Gesundheitswesen. Gegenüber dem Ausweis auf Papier hat er unschlagbare Vorteile,“ meint Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS „Den muss im Gegensatz zum gelben Impfpass keiner mehr suchen. Die digitale Dokumentation und die Erinnerungsfunktion werden Impflücken verhindern und so auch mit dafür sorgen, dass bereits zurückgedrängte Erkrankungen nicht wiederkehren. Auf der anderen Seite macht er Doppelimpfungen überflüssig und vermeidet damit körperliche Doppelbelastung für den Einzelnen.“

40 Ärzte in Thüringen und Sachsen haben die für den AOK PLUS eImpfpass nötige Software bereits in ihre Praxisverwaltungssoftware integriert. Und 18.064 Patienten nutzen das Digitalformat bereits.

Was jetzt noch fehlt, ist die Gleichstellung des eImpfpasses mit dem herkömmlichen Impfausweis als amtliches Dokument, das zum Beispiel für die Einreise in manche Länder den dort geforderten Impfstatus nachweist.

Hier ist der Gesetzgeber gefordert, den Zeichen der Zeit Rechnung zu tragen.

 

Ich konnte erst am letzten Wochenende positive Erfahrung mit dem eImpfpass machen. Nach einem Haushalthaltunfall musste ich nach der Erstversorgung meiner Familie doch zur Notaufnahme ins Krankenhaus. Da man weiß, dass da immer nach dem aktuellen Impfstatus gefragt wird, suchte auch ich meinen gelben Papierausweis, den ich in der Aufregung leider nicht gleich finden konnte. Zum Glück hatte ich aber meine Impfungen über die Online-Geschäftsstelle bereits in den eImpfpass übertragen und mir erst vor kurzem einen PDF-Ausdruck davon gemacht. Der reichte dann auch im Krankenhaus. Dankeschön und Daumen hoch für den eImpfpass!

Antworten

Liebe Conny, das freut die Macher bei der AOK PLUS. Deshalb: weitersagen, dass es deneImpfpass gibt – sowohl im Patienten- / Bekanntenkreis als auch bei Hausärzten.
Wir brauchen noch viele Nutzer, damit sich eben auch politisch etwas bewegt im Hinblick auf die Anerkennung des eImpfpasses als „amtliches Dokument“.

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