Zu Unrecht infrage gestellt

Spätestens seit dem Sommer 2018 ist der brandenburgische Pharmahändler Lunapharm bundesweit ein Begriff. Die Firma sorgte für Schlagzeilen, weil sie gestohlene Krebsmedikamente aus Griechenland bezogen und in mehrere Bundesländer geliefert haben soll.

Fast zeitgleich flog auch ein anderer Medikamentenskandal auf: Zahlreiche Chargen des Blutdrucksenkers Valsartan mussten aus Apotheken und beim Großhandel zurückgerufen werden, weil ein Wirkstoff war bei einem chinesischen Hersteller verunreinigt worden war. Zwar waren die Versicherten der AOK PLUS von dem Rückruf nicht betroffen, denn die Valsartan-haltigen Arzneimittel des Rabattvertragspartners TAD Pharma waren nicht verunreinigt. Die Versicherte konnten ihr Arzneimittel bedenkenlos weiterhin einnehmen. Und auch für Patienten, die verunreinigte Valsartan-haltige Medikamente eingenommen haben, besteht nach Einschätzung der Bundesregierung keine akute Gesundheitsgefährdung.

Trotzdem haben die Fälle dazu geführt, dass das Modell der Arzneimittelrabattverträge öffentlich infrage gestellt wurde. Der Vorwurf der Kritiker: Die Krankenkassen drückten mit Rabattverträgen die Medikamentenpreise, weshalb die Wirkstoffe vermehrt im Ausland beschafft werden müssten. Das ziehe mehr Fälle von verunreinigten Mitteln nach sich, die dann hierzulande zurückgerufen werden müssten, was wiederum zu Versorgungsengpässen führe.

In der Praxis besteht ein solcher Zusammenhang jedoch nicht. Im Gegenteil, die Rabattverträge haben sich im gesamten AOK-System bewährt. Zur medizinischen Versorgung von Patienten werden Arzneimittel bereitgestellt, die qualitativ gleichwertig sind, aber einen Einspareffekt für die gesamte Solidargemeinschaft haben. So gibt es beispielsweise Vereinbarungen für Wirkstoffe zur Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes, bakteriellen und viralen Infektionen und Augenerkrankungen sowie Psychopharmaka.

210 Millionen Euro hätte die AOK PLUS im Jahr 2017 zusätzlich für Arzneimittel ausgegeben, wenn sie keine Rabattverträge für ihre Versicherten abgeschlossen hätte.

von Dr. Ulf Maywald, Geschäftsbereichsleiter Arzneimittel

Die AOK-Gemeinschaft geht bei der Ausschreibung der Arzneimittelrabattverträge für Generika gemeinsam vor. Um möglichst vielen und insbesondere mittelständischen pharmazeutischen Unternehmen eine Chance zu geben, werden für alle Wirkstoffe regional für einzelne Gebietslose ausgeschrieben. Vor der Auftragsvergabe wird die Lieferfähigkeit der Vertragspartner sorgfältig geprüft. Den Unternehmen steht eine gesetzliche Vorbereitungsphase von sechs Monaten zu, ehe sie mit den Auslieferungen der Medikamente an Apotheken und Großhändler beginnen müssen. Auch nach Vertragsstart kontrollieren die AOKs fortlaufend die Belieferung.

Die Rabattverträge laufen jeweils zwei Jahre. Die Therapiefreiheit des Arztes wird durch sie nicht eingeschränkt. Er entscheidet weiterhin, welches Medikament für den jeweiligen Patienten das richtige ist. Insbesondere Patienten, die dauerhaft Arzneimittel benötigen, wird durch die Umstellung auf rabattierte Arzneimittel über die Vertragslaufzeit hinweg ein häufiger Medikamentenwechsel erspart. Das wirkt sich auch positiv auf ihre Therapietreue aus.

Die Arzneimittelrabattverträge sind inzwischen Alltag und werden von der großen Mehrheit der Versicherten akzeptiert. Außerdem sind sie ein äußerst wirksames Instrument zur aktiven Ausgabensteuerung, denn die Preise für Arzneimittel klettern unaufhörlich weiter. Nach wie vor können Hersteller patentgeschützter Arzneimittel im ersten Jahr Mondpreise verlangen.

Die Ausgaben für Medikamente stiegen bei den gesetzlichen Kassen zwischen 2016 und 2017 um 3,7 Prozent. Die AOK PLUS hat 2017 mit rund 1,8 Milliarden Euro sogar 5,1 Prozent mehr dafür ausgegeben als noch 2016. Gebremst wurde der Anstieg durch die Rabattverträge im Bereich der patentfreien Arzneimittel. Diese Verträge haben einen großen Anteil an stabilen Krankenkassenbeiträgen.

Genau… Ich habe 6 Jahre lang das erheblich verunreinigte Valsartan von 1A Pharma bekommen, was nie in den Rabattverträgen der Krankenkassen war. Warum schließen sich die Krankenkassen nicht als mächtige Vertreter der betroffenen Patienten mit diesen zusammen und klagen z. B. gegen die entsprechenden Pharmafirmen wg. des Inverkehrbringens des gesundheitsgefährdenden Medikaments??? Schließlich entstehen den Krankenkassen dadurch erhebliche Kosten. Sie könnten z. B. auch dafür sorgen , dass es endlich Ergebnisse über die tatsächlichen NDMA-/NDEA-BELASTUNG in den Valsartanchargen gibt oder eine Fall-Kontroll-Studie (Registrierung aller Betroffenen und deren evtl. Erkrankungen) usw.

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