Aus dem Schatten ans Licht

Standbild Film "Die Mitte der Nacht ist der Anfang vom Tag"

©Sagamedia

„Die Menschen denken alle, mir geht es gut. Ich bin fröhlich…“ In Wirklichkeit ist es eine Lüge: „Ich kann mich total gut verstellen.“ Obwohl statistisch gesehen jede vierte Frau und jeder achte Mann im Laufe des Lebens an einer Depression erkrankt, geht es vielen Betroffenen so wie es die Frau am Anfang des Films beschreibt: Sie haben Angst vor der Stigmatisierung und behalten ihre wahren Gefühle für sich. Darunter leiden nicht nur die Betroffenen, ihr Umfeld, ihr Job, sondern auch die Behandlung.

Das Schweigen brechen

Die Welt wird immer dann zu einem besonders hässlichen, düsteren Ort, wenn wir nicht mehr in der Lage sind, einander zu verstehen. Die Protagonisten des Films haben sich deshalb entschlossen, das Schweigen bezüglich ihrer Krankheit zu brechen. Die Filmemacher Michaela Kirst und Axel Schmidt (als Facharzt für Psychiatrie auch Initiator des Projekts) sowie der Kameramann Dirk Lütter begleiteten über ein Jahr lang unter anderem eine Familie, in der Mutter, Vater und alle drei Töchter depressiv erkrankt sind.

Manchmal bin ich echt sauer darauf, dass ich mit neunzehn schon so viel Erfahrung mit Depressionen sammeln musste.

von Tochter der Familie

Die Mutter, die seit Jahren als Pastorin arbeitet, berichtet, wie die Krankheit ihr phasenweise den Glauben an Gott nimmt. Eine der Töchter lässt die Zuschauer über Videotagebücher an ihrem Weg in einen neuen Lebensabschnitt mit Ausbildung und Auszug aus dem Elternhaus teilhaben. „Manchmal bin ich echt sauer darauf, dass ich mit neunzehn schon so viel Erfahrung mit Depressionen sammeln musste. Und das verstehe ich auch oft nicht“, hadert sie mit dem Schicksal.

Der Vater erleidet während der Dreharbeiten eine erneute depressive Phase. Der Zuschauer erlebt, wie er und die anderen Familienmitglieder damit umgehen. Eindrücklich berichtet der Mann, wie wichtig für ihn die Therapie mit Medikamenten ist und wie viel Kraft ihm der Austausch mit seiner Männergruppe gibt.

Schlüsselmomente miterleben

Beobachtende Aufnahmen wechseln sich in dem Film mit Interview-Ausschnitten ab, auf Sprechertext und Erklärungen wurde bewusst verzichtet. Es ist der ungeschönte Blick auf den Alltag, der betroffen macht. Für die Regisseure ist es von großem Wert, „viele Schlüsselmomente hautnah miterleben zu dürfen und damit ein einmaliges Filmdokument zu schaffen, das die Erkrankung Depression dem Zuschauer hoffentlich besser begreifbar macht.“

Ergänzend zu „Die Mitte der Nacht ist der Anfang vom Tag“ veröffentlicht das Autorenteam in Kooperation mit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe im Herbst 2016 einen Informationsfilm, der wichtige Fragen zur Erkrankung beantwortet. Mit finanzieller Unterstützung der AOK PLUS entsteht zudem eine interaktive Webseite. Auf ihr können Betroffene und Interessierte Erfahrungsberichte einreichen. Weiterhin werden Interviews mit Experten und den Filmemachern sowie kurze Filmsequenzen und Links zu Hilfsangeboten bereitgestellt.

Filmtournee am Spendentropf

Ab November sollen beide Filme dann auch auf DVD erhältlich sein. Eine Möglichkeit zur Vorbestellung hat die Stiftung Deutsche Depressionshilfe eingerichtet. Darüber hinaus startet eine deutschlandweite Filmtournee in lokalen Kinos und Kulturstätten. Damit sich möglichst viele Vorführungen realisieren lassen, werden noch Spenden benötigt. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann über betterplace.org  ganz einfach ein paar Euros dazugeben.

Ich gehöre selbst zu den Betroffenen, habe aber das Riesenglück, einen verständnisvollen Partner und eine engagierte Therapeutin an meiner Seite zu haben. Ohne die beiden hätte ich es nicht bis „hierher“ geschafft. Inzwischen kann ich sogar damit umgehen, dass andere Menschen meine Erkrankung belächeln. Aufklärung ist so wichtig, damit Nichtbetroffene ihre Scheu und Vorurteile ablegen können. Ich versuche, nach vorn zu schauen und wünsche mir für alle Betroffenen ein frühes Erkennen – verbunden mit der richtigen Hilfe,
um diese unsichtbare Krankheit, die einen enormen Leidensdruck verursacht, zu heilen.

Antworten

Mein Vater hat sehr unter Depressionen gelitten – und damit die ganze Familie. Auch, weil die Krankheit als solche von vielen Menschen nicht ernst genommen wird. Da kommen dann hilfreiche Tipps und Kommentare wie „er soll sich mal zusammenreißen“.
Ich finde es super, dass das Thema mehr in die Öffentlichkeit kommt und dass die AOK sich auch auf diese Weise engagiert.

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Ob ich mir freiwillig diesen Film anschauen werde, weiß ich nicht. Das macht mich dann selbst depressiver. Jedenfalls finde ich den Ansatz mit Film usw. sehr interessant. Jedoch kann ich nicht verstehen warum am Ende noch Spendengelder benötigt werden. Das tut der Aok bestimmt nicht weh, auch die Filmtournee zu unterstützen.

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Ich war bei der Premiere in Berlin dabei und war sehr bewegt. Der Film bringt einem die Krankheit näher. Er bewegt, schafft Toleranz und macht Hoffnung, diese Erkrankung in den Griff zu bekommen.

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