Azubi im anderen Alltag

„Und Sie möchten nicht in der Verwaltung arbeiten, sondern in der Werkstatt?“ Die Frage wurde Stefan Mann bei der „Lebenshilfe e.V.“ in Annaberg mit hörbarer Verwunderung gestellt, als er sich dort um eine Stelle für sein soziales Praktikum bewarb. Aber der 21-Jährige war wirklich festgelegt auf´s Praktische. Er wollte den direkten Kontakt mit den Menschen, die in der geschützten Werkstatt des gemeinnützigen Trägers arbeiten: Menschen mit den unterschiedlichsten Handicaps, vom Rollstuhlfahrer, der frisch von der Förderschule kommt bis zur 63-Jährigen, die bald in Rente gehen wird.

Seit Montag dieser Woche beginnt deshalb der Arbeitstag des AOK PLUS-Azubis nicht kurz vor neun in der Filiale, sondern früh halb sieben in der Werkstatt. Was da gemacht wird? Montagearbeiten für die Crottendorfer Firma Hoppe, einen Türklinkenhersteller mit Zugang zum Weltmarkt. Friemelige Handarbeit, bei der man sich nach kurzer Einarbeitung gut unterhalten kann mit Nebenmann und Gegenüber-Frau.

„Ich bin ganz schnell und unkompliziert in Kontakt gekommen mit den Leuten. Sie fragen einen völlig unbefangen aus, wollen wissen, woher man kommt, welches Auto man fährt, welche Hobbies man hat, ob man liiert ist. Da gibt es keine großen Unterschiede zum eigenen Freundes- oder Bekanntenkreis,“ sagt Stefan Mann. Als Kontaktperson, Gesprächspartner und Unterstützer der Gruppe von 12 Leuten zur Verfügung stehen, die Kolleginnen und Kollegen auf Zeit durch den Arbeitsalltag begleiten – das ist für diese Woche die Hauptsache für den Azubi im zweiten (und bald dritten Lehrjahr) der AOK PLUS.

Also heißt es, nicht nur Scharniere richtig zusammenschrauben und dabei im Blick zu behalten, wann Einer Hilfe braucht oder eine Antwort auf die zehnte Frage erwartet, sondern nach dem Frühstück auch die Nordic-Walking-Einheit mitmachen und nachmittags im Chor mitzusingen: „Über sieben Brücken musst Du geh´n“…

Ein Tagesablauf, der sich deutlich von seinem sonstigen Alltag unterscheidet, der ihn aber in kurzer Zeit auf sehr spezielle Art in seiner Berufswahl bestärkt: „Man lernt die sehr differenzierten Hilfsbedürftigkeiten der unterschiedlichsten Menschen kennen und verstehen. Man kann sehr konkret helfen und bekommt schnell Feedback. Das ist hier so ähnlich wie in den verschiedenen Abteilungen der AOK. Und es ist genau das, was ich wollte.“

Ich finde es ganz Klasse , dass unsere Azubis diese Möglichkeit erhalten auch aus einer anderen Sicht das alltägliche Leben zu betrachten und sich sozial zu engagieren.
Und Glückwunsch an Stefan Mann zur Bestätigung seiner Berufswahl – aus der Perspektive der Kunden zu denken ist eine wichtige Grundlage in unserer Arbeit.

Antworten

Lieber Stefan,

ich kann die Erfahrungen, welche du in deiner Praktikumszeit gesammelt hast sehr gut nachvollziehen. Denn auch ich verbrachte meine Praktikumswoche in einer Behindertenwerkstatt. Ich konnte innerhalb der Woche all meine Bedenken und Vorurteile ablegen. Die Woche hat mir sehr geholfen die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter besser zu verstehen.

Nach meinem Einsatz kann ich sagen das die Mitarbeiter in einer Behindertenwerkstatt eine anstrengende aber sehr gute Arbeit leisten. Ich bin dankbar, dass die AOK PLUS mir ermöglicht hat, eine Woche diese soziale Einrichtung zu besuchen.

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