Dafür ist der Scheich zu reich

Die schriftliche Frage an mich vor ein paar tagen war ganz kurz und knapp: ob ich Zahlen zur Entwicklung des Medizintourismus hätte. Bei der Landesärztekammer habe er schon angefragt, die hätten dort an mich verwiesen mit dem Argument, das wüssten nur die Kassen – schrieb der Journalist.

Aha, dachte ich, will mal wieder jemand wissen, wie viele Versicherte zwecks Zahnersatzbehandlung in den letzten Jahren nach Tschechien gereist sind oder wie viele Schönheitsoperationen welcher Art auch immer polnische, ungarische oder tschechische Ärzte jenseits der deutschen Grenze an deutschen Patienten vorgenommen haben. Weil solche Datenauslesen aufwändig sind, wollte ich dann doch mal vorab fragen, ob es vielleicht nur um das Eine oder das Andere ginge und welcher Zeitraum den Fragesteller interessiert.

Ach nein, meinte am Telefon der forsche junge Tagesreporter der öffentlich-rechtlichen Anstalt. Nicht in diese Richtung ginge sein Interesse. Er wolle wissen, wie viele Medizintouristen nach Sachsen gekommen seien, um sich hier behandeln zu lassen. Er habe doch irgendwo gelesen, dass unser Medizinfortschritt bei den Scheichs und Oligarchen aus Arabien und Russland so gut ankomme und die sich hier in Sachsen diagnostizieren, operieren und behandeln ließen.
Ja, ob er denn glaube, dass die gesetzlich versichert sind, fragte ich vorsichtig.

Die Frage war offenkundig unverständlich. „Hä???“, hörte ich am anderen Ende einer langen Leitung.
Na, als Sprecherin einer gesetzlichen Krankenkasse hätte ich zwar Unmengen an Daten. Aber eben nur in Bezug auf Menschen, die (bei der Kasse, für die ich spreche) gesetzlich versichert sind. Aha, dafür ist der Scheich zu reich… Richtig. Hätte dieses Wissen die Henri-Nannen-Schule vermitteln müssen oder das Gymnasium oder wirklich die Pressesprecherin der AOK?

(Die Recherche fand nicht am 1. April statt.)

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