Den Betroffenen eine Stimme geben

Beim Patientenkongress laden die AOK PLUS und das Soziale Netzwerk Lausitz Interessierte zum Workshop „Selbsthilfe im ländlichen Raum organisieren“ ein. Warum gerade dieses Thema?

Auf dem Lande brechen zunehmend Strukturen weg, ob öffentlicher Nahverkehr oder die medizinische Behandlung vor Ort. Davon ist auch die Selbsthilfe betroffen. Wir möchten diese aber für jedermann zugänglich machen und flächendeckend verankern. Nach der Devise „Digitale Vernetzung statt Stuhlkreis“ testen wir Ideen wie Skype-Sprechstunden, Selbsthilfe-Chats oder Kooperationen mit dem Rundfunk. Insgesamt 20 solche Projekte haben wir 2016 gefördert. So unterstützen wir beispielsweise die Regionalstelle des Deutschen Bündnisses gegen Depression in Görlitz. Im Landkreis sind besonders viele Menschen von Depressionen betroffen. Ziel ist, sie besser zu versorgen. Zum Netzwerk gehören unter anderen Ärzte und Psychotherapeuten, Beratungsstellen, Kliniken und Schulen, Selbsthilfegruppen, das Gesundheitsamt und sozialpsychiatrische Dienste. Das Bündnis steht für eine erfolgreiche interdisziplinäre Zusammenarbeit.

2016 hat die AOK PLUS insgesamt 1.473 Förderanträge bewilligt und fast 2,8 Millionen Euro für Selbsthilfe-Projekte ausgegeben.

von Frank Tschirch

Frank Tschirch ist bei der AOK PLUS für die Selbsthilfe verantwortlich.

Welche weiteren Angebote unterbreitet die AOK Menschen mit Depressionen?

Zum Beispiel das Onlineprogramm „MoodGYM – Fitness für die Stimmung“. Es wurde von Wissenschaftlern der Australian National University entwickelt und kann kostenfrei und anonym genutzt werden. Es gibt Anregungen, wie Betroffene besser mit depressiven Beschwerden und Ängsten umgehen können und hilft, depressiven Symptomen vorzubeugen bzw. zu lindern. Außerdem überbrückt es die Wartezeit auf eine fachärztliche Behandlung. Erste Studienergebnisse belegen die positiven Effekte.
Ebenso unterstützen wir in Leipzig im Rahmen des Regionalen Bündnisses gegen Depression den „Theaterladen Selbst & Los“. Es richtet sich an alle Menschen aus Selbsthilfegruppen. Sie können sich dort künstlerisch und kreativ betätigen. Häufig sind diese Menschen aufgrund eines gesundheitlichen Handicaps aus dem beruflichen und gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt. Hier finden sie ein Umfeld, in dem sie ihre Fähigkeiten statt ihrer Unzulänglichkeiten erleben. Ein Balsam für die Seele!

Noch mal zurück zum Patientenkongress. Die AOK PLUS hat durch ihre Förderung die Herausgabe der Patientenbroschüre „Zurück ins Leben“ ermöglicht. Worum geht es darin?

Hier kommen neun an Depressionen Erkrankte zu Wort. Sie berichten, wie sie ihre Krankheit erleben und mit ihr umgehen. Das sind sehr persönliche und ergreifende Geschichten, mit denen sie anderen Betroffenen Mut machen. Die Broschüre gibt es kostenlos beim Patientenkongress. Ab Ende August steht sie auch auf der Homepage der Deutschen Depressionsliga.

mehr Infos unter:

Patientenkongress 2017 in Leipzig
Moodgym
Soziales Netzwerk Lausitz
Bündnis gegen Depression Görlitz
Bündnis gegen Depression Leipzig
Selbsthilfe bei der AOK PLUS

Tolle Sache. Das Thema wird leider viel zu oft unter den Tisch gekehrt. Viele Betroffene schämen sich. Daher ist ein offener Austausch dringend notwendig. Ich habe selbst im Familienkreis damit zu tun und werde auf jeden Fall mit meinem Vater hingehen.

Antworten

Vielen Dank für das Engagement! Leider spürt man nur selten so viel Unterstützung in den Treffs. Besonders das Nutzen und Agieren im digitalen Wandel beeindruckt mich und freue mich die AOK PLUS als Partner zu haben.

Weiter so, Sie sind auf einem guten Weg, soweit ich das beurteilen kann.

Vielen Dank!

Antworten

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