Der Bergdoktor? Die Landärztin!

In Thüringen wurde kürzlich eine Hausarztpraxis für einen symbolischen Euro bei Ebay angeboten. Keiner wollte sie. 37,5 offene Hausarztstellen gibt es dortzulande. 255,5 sind es in Sachsen. Immerhin praktizieren in dem einen Freistaat, der sich als Flächenland versteht, aktuell 1.632 Hausärzte, in dem anderen exakt 2.767. In beiden Freistaaten sind jeweils rund 10 Prozent dieser Hausärzte älter als 65 Jahre, also mit Sicherheit nicht mehr lange beruflich aktiv.

Dass diese Situation viele Menschen beunruhigt, zeigt eine ganz frische Forsa-Umfrage. Danach sind 95 Prozent der befragten Menschen in Deutschland erreichbare Hausärzte wichtiger als schnelles Internet und Polizei. Und wer auf dem Lande lebt, ist mit der aktuellen Situation medizinischer Versorgung deutlich unzufriedener als Großstädter.

AOK entwickelt die Gesundheitsversorgung weiter

Anne Sandhöfer-Koning hat sich als Hausärztin in Sömmerda niedergelassen

Diese Stimmung nimmt die AOK sehr ernst und zum Anlass, in den nächsten zwei Jahren die Gesundheitsversorgung speziell im ländlichen Raum  besonders zu fördern. 100 Millionen Euro sollen bundesweit in dem entsprechende innovative Vorhaben fließen. Zum Auftakt der bundesweiten Kampagne „Stadt.Land.Gesund“ am 20. Februar 2019 in Berlin wurde ein beachtlicher Katalog an Projekten vorgestellt, die sich bereits um die Stabilisierung und kreative Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung in Deutschland drehen. Bei Null fängt man ja nicht an. Die AOK PLUS bringt in diesen bunten Strauß an Ideen, die schon umgesetzt wurden oder werden, Einiges ein.

Zum Beispiel: Die Ausstattung von Thüringer Hausarztpraxen mit PLUS-Mobilen und/oder Tele-Rucksäcken, die Versorgungsassistentinnen effektive Hausbesuche ermöglichen. Zum Beispiel: Das seit 2014 um immer neue Komponenten erweiterte ländliche Gesundheitszentrum Niesky, das nicht nur ein kleines ostsächsisches Krankenhaus vor´m Verschwinden bewahrt, sondern auch beispielhaft Sektorengrenzen überwunden hat.

Zum Beispiel: Eine aktuell noch bis Ende April im Versuchsstadium befindliche Telemedizin-Kooperation von Hausärzten mit Pflegeheimen und Pflegediensten in Leipzig.

Zweitgrößter Unterstützer der Stiftung zur Förderung ambulanter ärztlicher Versorgung

Und eben beispielsweise auch die finanzielle Förderung der Niederlassung junger Mediziner in Thüringen über Stiftungsstipendien. Bereits 2010, 2013, 2015 und 2017 hatte die Gesundheitskasse dafür Beträge von jeweils 100.000 € beigesteuert. Damit konnten inzwischen 44 Stipendiaten unterstützt werden. Eine davon ist Anne Sandhöfer-Koning. Die 34-Jährige arbeitet inzwischen als Hausärztin in Sömmerda. Nach ihrem Medizinstudium in Leipzig und der Facharztausbildung im Krankenhaus hat sie sich für die Niederlassung und die „sprechende Medizin“ in ihrer Heimatstadt entschieden.

„Als Hausarzt kennt man mit der Zeit seine Patienten und meist die ganze Familie, die Kinder, die Großeltern, das Umfeld. Man behandelt den Menschen nicht nur in der Notaufnahme oder sieht ihn ein paar Tage im Krankenhaus, sondern oft über viele Jahre. Genau das ist es, was mir an dem Beruf gefällt.

von Anne Sandhöfer-Koning, Hausärztin in Sömmerda

Das Stiftungsstipendium hat ihr und ihrem Mann die Entscheidung „für die Provinz“ insofern erleichtert, als dass es ein Beitrag zur Finanzierung der ersten Wohnung für die junge Familie in Sömmerda war. Und diese Entscheidung wiederum hat dazu beigetragen, dass es in der Stadt nunmehr keine unbesetzte Hausarztstelle gibt. Glückliches Sömmerda.

Als Thüringer finde ich es super dass man hier an einem Strang zieht! Bitte macht weiter, mein Hausarzt geht in zwei Jahren in Rente und ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Dabei ist die Praxis immer voll.

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