Die Stunde der Digitalisierung

Von wirklicher Vernetzung konnte bisher nicht die Rede sein. Die elektronische Gesundheitskarte speichert kaum nennenswerte Patientendaten, und der Aufbau der Telematikinfrastruktur (TI) verlief schleppend. Lichtblicke gibt es in der laufenden Legislaturperiode, in der z.B. der Start der patientengeführten elektronischen Patientenakte und die Anbindung weiterer Leistungserbringer an die TI auf den Weg gebracht wurden.

“Die Corona-Krise führt uns knallhart vor Augen, welche Potenziale in der Digitalisierung im Allgemeinen und der Telemedizin im Speziellen bisher liegen gelassen wurden“, sagt AOK PLUS-Vorstand Stefan Knupfer. „Angesichts eines erhöhten Infektionsrisikos und Kontaktbeschränkungen helfen digitale Angebote, die medizinische Versorgung in Praxen und Pflegeeinrichtungen aufrecht zu erhalten. Im deutschen Gesundheitswesen, das im weltweiten Vergleich als besonders analog gilt, vollziehen sich angesichts der aktuellen Lage Veränderungen, die viele Beobachter nicht für möglich gehalten haben und die geradezu revolutionär wirken.“

Top Service trotz verschlossener Türen

Beispiele sind das Ausstellen von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Folgerezepten ohne das persönliche Vorsprechen in der Praxis und das Kappen der Obergrenze für Videosprechstunden durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Andere Länder sind da schon lange weiter. Die AOK PLUS hat deshalb vor Jahren eine digitale Aufholjagd gestartet, und das zahlt sich jetzt aus: Obwohl Mitte März alle 140 Filialen in Thüringen und Sachsen geschlossen wurden, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, bleibt die Gesundheitskasse für ihre Versicherten erreichbar – und zwar nicht nur telefonisch und per Mail, sondern auch über die über mehrere Jahre kontinuierlich ausgebaute Online-Filiale.

Als größte gesetzliche Krankenversicherung in Thüringen und Sachsen sind wir davon überzeugt, das Gesundheitswesen mit Hilfe von Digitalisierung voranzubringen.

von Stefan Knupfer, Vorstand der AOK PLUS

Mehr als 300.000 Menschen – also fast jeder zehnte Versicherte – macht von dem digitalen Rund-um-die-Uhr-Service Gebrauch. Zu den am häufigsten genutzten Funktionen gehören das Hochladen von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, das Beantragen von Kinderkrankengeld, sowie das Einreichen von Erstattungsanträgen.

Erfolgreiche Pilotprojekte in Thüringen und Sachsen

„Als größte gesetzliche Krankenversicherung in Thüringen und Sachsen sind wir davon überzeugt, das Gesundheitswesen mit Hilfe von Digitalisierung voranzubringen“, sagt Stefan Knupfer. So hat die AOK PLUS 2019 im Rahmen des Projekts Telekonsil mit Hausarztpraxen und Pflegeeinrichtungen im Raum Leipzig erfolgreich den Einsatz von Telemedizin im Bereich der stationären und ambulanten Pflege erprobt.

Die Teilnehmenden wurden mit Technik-Paketen ausgestattet, die ermöglichten, dass beispielsweise die Pflegekräfte in den Einrichtungen einfache Vitaldaten ermitteln und bei Bedarf den Hausarzt per Video hinzuziehen konnten. Nach der erfolgreichen Pilotphase wird das Projekt in den nächsten Monaten in weiteren ausgewählten Regionen Sachsens und Thüringens weiterentwickelt.

In Thüringen startete bereits im April 2018 das Pilotprojekt TeledocPLUS, an dem seither 39 Hausärzte teilnahmen. Die speziell geschulten Tele-VERAHs nutzen einen mit digitalen Medizinprodukten ausgestatteten Rucksack, um bei Hausbesuchen nichtärztliche Versorgungsleistungen zu erbringen und bei Bedarf den Hausarzt per Videoschalte hinzuzuziehen. Das Projekt wurde evaluiert und ist seit dem 1. April 2020 an den Rahmenvertrag „Digitalisierung“ zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen und der AOK PLUS angeschlossen.

Schwangere Versicherte der AOK PLUS profitieren von der Zusammenarbeit mit dem Startup Keleya: Für den gemeinsam entwickelten Geburtsvorbereitungskurs per App übernimmt die Gesundheitskasse im Rahmen des SchwangerschaftPLUS-Pakets die Kosten. Gerade angesichts derzeit nicht stattfindender Anwesenheitskurse ist das digitale Angebot eine echte Alternative für werdende Eltern.

Chancen nutzen – auch nach Corona

Tatsächlich bleibt zu hoffen, dass das Boot Telemedizin auch bei ruhigerer See mit genügend Tempo weiterfahren kann. „Die Vorteile vernetzter Versorgung werden jetzt endlich erkannt und sollten allen Akteuren im Gedächtnis bleiben“, sagt Stefan Knupfer. Besonders in der medizinischen Versorgung in ländlichen Regionen und Pflegeeinrichtungen in Thüringen und Sachsen kämen die Vorteile zum Tragen. Sie könnten besonders davon profitieren, dass Digitalisierung räumliche Distanzen überwindet und Arbeitsabläufe flexibilisiert – vorausgesetzt, Länder und Kommunen investieren flächendeckend in die digitale Infrastruktur.

Es wäre gut wenn man Telemedizin einfacher machen würde, ähnlich wie mit der Barmer teledokter App . Desweiteren könnte man auch SmartWatch Daten nutzen um Versicherten die sich genügend bewegen oder ähnliches ,einen Rabatt einräumt.

Antworten

Hallo Matthias,
wir bieten unseren Versicherten bereits jetzt eine Vielzahl leicht zugänglicher digitaler Services, beispielsweise in unserer Online-Filiale. Mehr zu den vielen Funktionen, u.a. den elektronischen Impfpass und das Hochladen der AU-Bescheinigung, erfahren Sie hier. Bei AOK-Clarimedis beantwortet Ihnen ein Team aus Fachärzten, Krankenschwestern und Pharmakologen telefonisch und kostenfrei Ihre Fragen rund um die Gesundheit.

Beim Thema Datennutzung muss ich Ihnen widersprechen. Als Versicherter genießen Sie in Deutschland den Schutz Ihrer Daten. Ihr Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung bemisst sich an Ihrem Einkommen. Ob Sie rauchen, ein gefährliches Hobby haben, ein eher riskantes Fahrverhalten an den Tag legen, sich schlecht ernähren oder wenig bewegen, ist dabei unerheblich.
Was wir jedoch tun: Wir belohnen eine gesunde Lebensweise im Rahmen unseres Bonusprogramms, weil wir unsere Versicherten auf diesem Weg motivieren möchten. Im Bonusprogramm erhalten Sie z.B. Punkte für die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen oder die Mitgliedschaft im Sportverein oder Fitnessstudio. Diese Punkte können Sie sich als bares Geld auszahlen lassen. Sie können auch tracken, ob Sie täglich mindestens 10.000 Schritte schaffen. Aber auch dort schützen wir Ihre Daten: Wir erfahren nie im Detail, wie viele Schritte Sie genau gemacht haben oder wo Sie waren.

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