Dieses Heftchen sollte jeder haben

© Alexander Raths

Mit der gestern gestarteten Europäischen Impfwoche will die WHO wachrütteln. Es geht um Aufklärung. Und es geht um Akzeptanz. Mit höheren Durchimpfungsraten ließen sich einzelne Krankheitserreger dauerhaft ausrotten, argumentiert die WHO. Es folgt der Verweis, dass es in Europa bereits gelungen sei, Poliomyelitis (Kinderlähmung) zu eliminieren.

Experten warnen schon länger vor einer gewissen Impfmüdigkeit. Das Ganze auf die mangelnde Motivation zur Inanspruchnahme trotz guter Verfügbarkeit zu schieben, wäre allerdings zu kurz gedacht. Nicht wenige Zeitgenossen verweigern sich bewusst dem präventiven Pieks und lehnen ihn auch für ihre Kinder ab.

Schützenhilfe erhalten sie aus dem Internet, wo Verschwörungstheoretiker fröhlich Urständ feiern. Mit professionell gestalteten Präsenzen und viel vorgegaukelter Kompetenz vermitteln ideologische Impfgegner ein Höchstmaß an Glaubwürdigkeit, um dann jegliches Impfen als Teufelswerk zu verdammen, das einzig und allein erfunden wurde, um der Pharmaindustrie beim Geld scheffeln zu helfen.

Es besteht eben doch ein gravierender Unterschied zwischen der Behauptung, die Erde sei eine Scheibe, und der organisierten Angstmache vor Impfstoffen mit pseudowissenschaftlichen Begründungen.

von Alexander Marguier

Märchen besitzen bekanntlich die Gabe, das Komplizierte einfach und die Zusammenhänge des eigenen Lebens verständlich zu machen. Das darf aber nicht zu einer Verharmlosung im Umgang mit dem Thema führen. Vollkommen zurecht warnt Alexander Marguier im „Lexikon der Gefahren“, dass ein gravierender Unterschied zwischen der Behauptung, die Erde sei eine Scheibe, und der organisierten Angstmache vor Impfstoffen mit pseudowissenschaftlichen Begründungen besteht. „Denn während Ersteres als harmlose Spinnerei abgetan werden kann, besteht bei Letzterem die Gefahr einer weitverbreiteten Impfangst mit möglicherweise verheerenden Folgen für die Volksgesundheit.“

Impfausweis bald digital?

Zurück zu den Impfbefürwortern: Die WHO hat sieben Gründe zusammengefasst, weshalb Impfungen in Europa weiterhin hohe Priorität haben. Empfehlungen, welche Impfungen sinnvoll sind, gibt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut, die auch Antworten zu den 20 häufigsten Einwänden gegen das Impfen zusammengetragen hat. Bei Fragen rund ums Impfen bieten die Faktenboxen der AOK Hilfe. Sie informieren über den Nutzen und die Nebenwirkungen von Impfungen. Darüber hinaus klärt dieses Video interessierte Eltern über Nutzen und Risiken der Kombiimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln auf.

Wenn sich der Autor dieses Beitrags abschließend etwas wünschen dürfte, wäre es die Einbindung des Impfausweises in die elektronische Gesundheitskarte. Das kann in einer digitalisierten Welt durchaus als zeitgemäß verstanden werden. Die ständige Sucherei nach dem gelben Heftchen vor einem Arzttermin würde damit der Vergangenheit angehören.

Warum führt man nicht die Impflicht ein? Oder regelt es so, dass, wer mit seinen Kindern nicht zur Impfung geht, die Kosten bei Erkrankung oder Ansteckung Dritter selbst zu tragen hat …

Antworten

Die Einführung einer generellen Impfpflicht ist immer wieder im Gespräch. Allerdings werden Gesetze nicht von den Krankenkassen gemacht, sondern vom Gesetzgeber.

Antworten

Impfpflicht ist keine gute Idee. Damit würde man eine Zweiklassen-Gesellschaft schaffen. Die es sich leisten können, schicken ihre Kinder nicht zum Impfen und zahlen stattdessen die Bußgelder oder lassen sich auf teure Gerichtsverfahren ein. Und den anderen bleibt ja keine andere Möglichkeit, als das zu befolgen, was der Gesetzgeber vorgibt.

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