Europäische Impfwoche – und keiner geht hin?

Masernvirus
Masernvirus, Foto: Robert-Koch-Institut

Schon gewusst: Am vergangenen Sonntag war der Tag des Buches, der gleichzeitig Tag des Bieres war. Der Montag war der Internationale Tag zum Schutz von Versuchstieren, und am Dienstag dieser letzten Woche im April ist der Tag des Baumes. Am kommenden Sonnabend steht der Internationale Tag gegen den Lärm an und einen Tag später der Tag des Jazz.

Das alles ist dokumentiert in einer Arbeit des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages mit dem Aktenzeichen WD 1 – 3010 – 158/14.

Was die Ausarbeitung nicht erfasst, ist die Europäische Impfwoche, die in diesem Jahr vom 24. bis 30. April die Gemüter bewegen sollte: derjenigen, die gerade Eltern geworden sind, derjenigen, die für viel Geld in exotische Länder reisen, aber am Impfschutz sparen wollen und derjenigen, die als junge Erwachsene nicht sagen können, ob sie als Kind die Masern hatten oder dagegen geimpft wurden – keine Ahnung …

Keine Ahnung ist ganz schlecht. Auch nicht viel besser: wenn man erst aufgerüttelt wird von einer Masernepidemie mit 2.465 Fällen im Jahr 2015 in Deutschland oder den bereits mehr als 400 Fällen im Frühjahr dieses Jahres und den Warnhinweisen von Ärzten, dass das eben keine harmlose Kinderkrankheit ist, sondern böse Folgen haben kann bis hin zur Hirnhautentzündung oder gar zum Tod.

Aber zu spät ist es nie. Und man kann mit dem eigenen Gang zum Arzt oder ins städtische Gesundheitsamt zwecks Impfung sogar etwas für die Gemeinschaft tun. Manche Menschen können aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden. Die sind aber durch die sogenannte Herdenimmunität im Falle des Ausbruchs der Krankheit in ihrem Umfeld mit geschützt, wenn die übergroße Mehrheit der Bevölkerung geimpft ist. In Bezug auf Masern ist dieser Gemeinschaftsschutz gegeben, wenn 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind.

Also: zum Impfen gehen. Am besten noch diese Woche.

Wenn Reiseimpfungen von der Kasse bezahlt würden, könnten sicher manche Folgekosten für die Krankenkasse gespart werden, die auftreten, wenn sich der Weltreisende vor seinem Amazonastrip eben doch die privaten Impfkosten spart.

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Reiseimpfungen werden von der Kasse bezahlt – jedenfalls von der AOK PLUS – und zwar auf dem Weg der Erstattung. Das heißt, man geht in Vorkasse beim Arzt, in der Impfstelle des Gesundheitsamtes oder im Institut für Reisemedizin, bekommt dann eine Quittung und reicht die bei der AOK PLUS ein. Das habe ich selbst vor meinem Trip nach Tansania im Januar so gemacht. Hat wunderbar geklappt. Nebeneffekt: man sieht mal, wie teuer so eine Impfung ist…

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Also ich finde es unverantwortlich, wegen angeblicher Impfrisiken auf die Impfung der Kinder zu verzichten. Ich hoffe, es wird bald wieder zur Pflicht. Keine Impfung, kein Kita-Platz. Ganz einfach.

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In Frankreich hat die Politik beschlossen, mit Wirkung ab 2018 die Impfpflicht für Kinder in Bezug auf 11 Krankheiten (unter anderem Masern) einzuführen.

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Italien beschließt
Impfpflicht für Kinder
ROM, 28. Juli (dpa). Italien hat nach einem
Masern -Ausbruch Pflichtimpfungen
für alle Kinder und Jugendlichen
unter 17 Jahren beschlossen. Das Parlament
in Rom stimmte am Freitag mit
296 zu 92 Stimmen dafür. Eltern müssen
ihre Kinder nun gegen zehn Krankheiten
impfen lassen, neben Masern
auch gegen Mumps, Röteln, Keuchhusten
und Windpocken. Weigern sich
Eltern, dürfen sie ihre Kinder nicht
mehr in den Kindergarten bringen und
können mit einem Bußgeld von 500 bis
1000 Euro belegt werden. Kinder mit
speziellen Vorerkrankungen sind davon
nicht betroffen. Durch die Masern
Epidemie sind seit Jahresbeginn in Italien
bereits drei Menschen gestorben;
3672 steckten sich laut offiziellen Daten
bis Mitte Juli an. Lediglich 87 Prozent
der Italiener sind gegen Masern
geimpft. Gesundheitsministerin Beatrice
Lorenzin hatte mit dem Argument
für die Pflichtimpfungen geworben,
dass eine Impfrate von mindestens 95
Prozent notwendig sei, um die Verbreitung
ansteckender Krankheiten wie Masern
effektiv aufhalten zu können. Impfgegner
hatten vor dem Beschluss in
ganz Italien zu Tausenden gegen die
Pflichtimpfung demonstriert. Sie befürchten
Nebenwirkungen der Impfung.
Italiens mittlerweile größte Oppositionspartei,
die populistische Fünf
Sterne-B ewegung, machte sich die Kritik
teilweise zu eigen.

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