Pech und Glück im Urlaub

Ich bin ein Bergfreak. Mein Hausgebirge ist die Sächsische Schweiz. Mein Traum war – nach vielen Trekking- und Klettersteigtouren sowie Gipfelbesteigungen in den letzten dreißig Jahren – der Himalaya. Nicht der Mount Everest und auch kein anderer Achttausender, weder mit noch ohne Sauerstoffflasche, sondern eine Drei-Wochen-Trekkingtour mit Bergführern, die ich schon vom Ararat kannte, vom Kilimandscharo, vom Mont Blanc und von der Tour durch den Hohen Atlas in Marokko – in einer kleinen Gruppe von Nicht-Profis mit Hang zur Höhe.

Ein Fehltritt ändert alles

Ich habe mir den Traum erfüllt im April, zu der Zeit, wo in den Bergen des Himalaya Rhododendronwälder blühten, das Wetter gut war, ein Deutscher, der seit zwanzig Jahren in Nepal lebt, die Tour geleitet hat – gemeinsam mit einem einheimischen Sherpa und unterstützt von Trägern – englisch „Porters“ - die das schwere Gepäck der Touristen während der Tagesetappen von einer Hütte zur nächsten Übernachtungsmöglichkeit tragen. Der Sherpa Dambar wurde der Held meines Bergurlaubs. Am achten Tag der Umrundung des Manaslu bin ich beim Abstieg aus 4.500 m Höhe nach einem schönen Picknick, das wir dort nach etwa vierstündiger Wanderung gemacht hatten, dumm ausgerutscht und hingefallen. Mein rechter Fuß war so abgeknickt, dass ich gleich dachte: gebrochen !!! In der Situation war zunächst die Gruppe ein großes Glück. Eine junge Wandergefährtin ist Ärztin und legte mir sofort einen professionellen Druckverband an. Jeder steuerte Verbandsmaterial aus seiner Reiseapotheke bei und übernahm dafür etwas Gepäck aus meinem und Dambars Rucksack. Das ging alles ohne viele Worte und sehr freundschaftlich vonstatten.

Heldenhafte Hilfe

Und dann hat mich Dambar, der selbst nicht viel größer ist als ich, auf seinem Rücken Huckepack bergab getragen – über Stock und Stein, durch Bäche und über umgestürzte Baumstämme. Ihm lief der Schweiß in Strömen. Ich musste manchmal die Augen schließen, um nicht zu sehen, welche Hindernisse er gerade überwindet – ungefähr eine Stunde lang. Dann traten die inzwischen von ihm per Funk alarmierten Porters in Aktion. Aus dem Quartier, wo wir übernachten wollten, kamen sie uns mit einer Trage entgegen und haben mich dann darauf durch immer noch schwieriges Gelände etwa eine halbe Stunde lang weitertransportiert bis zur Herberge. Und da dorthin keine Straße führt, hatte unser deutscher Bergführer mittlerweile den Rettungshubschrauber angefordert. Der kriegte jedoch erst am nächsten Tag eine Start- und Landeerlaubnis, weil sich das Wetter verschlechtert hatte und in der Gegend erst vor ein paar Tagen ein Hubschrauber und ein Kleinflugzeug bei schlechter Sicht kollidiert waren. [caption id="attachment_5445" align="alignleft" width="225"] Gut versorgt im Kathmandu[/caption] Aber dann ging alles wie am Schnürchen: Helikopter-Rettungsflug in die Hauptstadt Kathmandu, vom Flughafen per Krankenwagen mit Blaulicht ins Krankenhaus, Röntgenuntersuchung (zeigte einen glatten Wadenbeinbruch und den komplizierteren Bruch des Sprunggelenks), Operation am nächstfolgenden Tag durch ein vierköpfiges Operationsteam, zehn Tage Krankenhausaufenthalt. Gleich bei der Einlieferung hatte ich neben meinem Reisepass auch die Police meiner Auslandreisekrankenversicherung der AOK PLUS (des Wahltarifs AOK PLUS weltweit), zum Kopieren abgeben müssen. Das war offenbar ausreichend vertrauensbildend. Die sehr detaillierte Leistungsbeschreibung in den Vertragsunterlagen ist aber auch wirklich unschlagbar. Also: keine Frage nach Cash oder Kreditkarte, sondern erst mal Ruhe für mich und die medizinische Behandlung.

Empathie und Engagement

Am Tag nach der Operation habe ich dann das getan, was man laut Police eigentlich sofort nach dem Eintreten des Versicherungsfalles tun sollte: anrufen bei der Notfallnummer, die in den Tarifunterlagen steht. Dort landete ich trotz der Zeitverschiebung sofort bei einem freundlichen Partner: Kein Vorwurf, sondern Mitgefühl und Hilfe. Nachdem der Mitarbeiter im Callcenter den Vorfall aufgenommen hatte, kriegte ich einen Rückruf von einer Ärztin, die sich erklären ließ, was passiert und wie ich inzwischen versorgt worden war. Sie sprach gleich davon, dass ihr Team Kontakt mit den nepalesischen Ärzten aufnehmen und sich auch um den angemessenen Rücktransport nach Deutschland kümmern würde. Und das hieß dann wegen Thrombosegefahr: Flug in der Businessclass. Von da an war ich im fast täglichen Telefon- oder Mailkontakt mit den Versicherungsmitarbeitern. Die Rückreise von Kathmandu über Doha in Katar bis Berlin war perfekt organisiert: an jedem Flughafen gab es einen Rollstuhltransfer durch freundliche Menschen, die ganz für mich da waren, an allen Warteschlangen vorbei. Dann wurde ich jeweils mit den Fahrzeugen, die normalerweise das Catering für die Fluggäste liefern und über eine Hebebühne verfügen, zum jeweiligen Flieger gefahren, dort auf Einstiegshöhe gehoben und bis zum Sitz in der ersten Klasse bugsiert.

Notfallbehandlung auf Kassenkosten

Vom Flughafen Tegel haben mich schließlich zwei urige Berliner mit dem Krankentransport bis an die Haustür und mit einer Art Sänfte tatsächlich über die hohen und steilen Wendeltreppen meines fahrstuhllosen Wohnhauses bis in den Flur gebracht. Klingt luxuriös. Ist aber kein Einzelfall. Allein in diesem Jahr haben bis Anfang Juni 85 AOK PLUS-Versicherte den telefonischen Rundum-Service des Partners aus dem Wahltarif AOK PLUS weltweit in Anspruch nehmen müssen, die meisten davon in den Reiseländern Türkei, Ägypten und Österreich. Manchmal ging es nur um die Betreuung und Kostenübernahme für ambulante Behandlungen und stationäre Krankenhausaufenthalte, aber eben auch nicht nur einmal um die Organisation und Durchführung des ärztlich angeordneten Krankenrücktransportes nach Deutschland. Und das alles für 4,95 € im Jahr für die unter 61-Jährigen. Menschen ab 61 Jahren wie ich, zahlen pro Jahr 10 € mehr – aber was ist das schon im Vergleich zu der Sicherheit, die einem das gibt. Mir haben die Ärzte in der Heimat inzwischen bestätigt, dass ich in Kathmandu sehr gut medizinisch versorgt worden bin. Die Brüche sind nahezu komplett verheilt. Die nepalesischen Gehhilfen stehen als Souvenir in der Ecke. Mein nächster Bergurlaub muss allerdings noch eine Weile warten.

Hannelore Strobel

Hannelore Strobel