"Selbsthilfe ist unsere Herzkammer"

„Mitnichten geht es bei uns so zu“, widerspricht Iris Schrader diesem Vorurteil. Sie ist selbst chronische Schmerzpatientin und leitet zudem eine Selbsthilfegruppe in Weimar. „Wir sind bunt gemischt und bei weitem nicht so angestaubt wie unser Image. Das Projekt „Selbsthilfe im Dialog“ hat weiter dazu beigetragen, eingeschlafene Strukturen zu wecken, neue Impulse zu erhalten und sich mit anderen Betroffenen zu vernetzen.“ Selbsthilfe im Dialog geht in die Verlängerung Weiterbildung, Vernetzung und gegenseitige Stärkung – genau das sind die Ziele des gemeinsamen Projektes  der AOK PLUS, dem Paritätischen Thüringen, der LandesKontaktstelle für Selbsthilfe in Thüringen e. V. (LaKoST) und der Landesarbeitsgemeinschaft Thüringer Selbsthilfeplenum. Seit Projektbeginn im Jahr 2017 haben zahlreiche Ehrenamtliche das Weiterbildungsangebot genutzt. In den Seminaren geht es um Themen wie die Leitung von Selbsthilfegruppen, rechtliche Grundlagen, Methoden- und Medienkompetenz oder Öffentlichkeitsarbeit. Die organisatorische Umsetzung der Weiterbildungsangebote erfolgt durch die Paritätische Akademie Thüringen. Mittels Feedbackbögen konnte der aktuelle Bedarf ermittelt und den Betroffenen passgenaue Angebote unterbreitet werden. Millionen für die Selbsthilfe „Die allein in Thüringen 1500 aktiven Selbsthilfegruppen sind für viele Betroffene und deren Angehörige eine wichtige Anlaufstelle und wertvolle Ergänzung zur ärztlichen Betreuung“ erklärt Heiko Kotte, Bereichsleiter Gesundheitsförderung der AOK PLUS. Sie unterstützte im vergangenen Jahr die Selbsthilfeaktivitäten mit insgesamt rund 4,3 Millionen Euro. Im Rahmen der kassenindividuellen Projektförderung gab sie für 540 Projekte von Selbsthilfekontaktstellen, Landesorganisationen der Selbsthilfe sowie regionale Selbsthilfegruppen 2 Millionen Euro aus. In Sachsen waren es mehr als 1,3 Millionen Euro, in Thüringen rund 670.000 Euro. Anträge auf Projektförderung durch die AOK PLUS können ganzjährig gestellt werden. Webinare zur Weiterbildung Dass die Selbsthilfe nicht angestaubt ist, wie mitunter behauptet, stellen die Beteiligten bei der Fortführung des Projektes um weitere drei Jahre erneut unter Beweis: Das bestehende Angebot an Weiterbildungen wird zukünftig durch Webinare ergänzt. Sie sollen Betroffenen die Möglichkeit der Weiterbildung geben, die bei anderen Angeboten entweder körperlich oder zeitlich eingeschränkt sind. Es bedarf keiner besonderen Technik, um daran teilzunehmen. Dank der Unterstützung durch die Gesundheitskasse sind alle angebotenen Weiterbildungen für Mitglieder von Selbsthilfegruppen auch weiterhin kostenfrei. „Die Selbsthilfe gehört zur Herzkammer des Paritätischen Thüringen. Die vielen positiven Rückmeldungen der Engagierten zeigen uns, wie wichtig dieses Angebot ist“, sagt der Landesgeschäftsführer des Paritätischen Stefan Werner. „Wir freuen uns, auch weiterhin verschiedene Schulungen anbieten zu können und mit dem neuen Angebot der Webinare auch noch mehr Ehrenamtliche aus den Selbsthilfegruppen zu erreichen“, so Werner weiter. Online-Programme ersetzen in keinem Fall den persönlichen Austausch und die Vernetzung von Betroffenen, die so unwahrscheinlich bedeutsam sind. Sie ermöglichen aber einen anderen Zugang und tragen dazu bei, die Selbsthilfe breiter aufzustellen. Sie ist nämlich kein Stuhlkreis der Ü60-Jährigen. Unter dem Dach des Paritätischen Thüringen befinden sich 30 große, zumeist landesweit tätige, gesundheitsbezogene Selbsthilfeorganisationen mit rund 480 Selbsthilfegruppen und mehr als 14.000 Mitgliedern.

Jenny Füsting

Jenny Füsting