„Sofa“ ade: Die AOK PLUS organisiert die Ausbildung neu

Herr Hohlstein, im Moment läuft die Bewerbungsphase für diejenigen, die im kommenden Jahr eine Ausbildung bei der AOK PLUS beginnen möchten. Aber die Ausschreibung sieht in diesem Jahr anders aus als in den Vorjahren. Was ist passiert?

Stimmt, das Berufsbild der Sozialversicherungsfachangestellten fehlt. Das liegt daran, dass wir diesen Beruf ab 2020 nicht mehr ausbilden werden. Wir haben in den vergangenen Monaten viel innerhalb der AOK PLUS und auch mit anderen AOKn diskutiert und sind zu dem Entschluss gekommen, dass das Berufsbild „Kaufleute im Gesundheitswesen“ für uns in Thüringen und Sachsen das ist, was unsere zukünftigen Auszubildenden am besten auf ihre Arbeit vorbereitet.

Warum ist es notwendig, die Ausbildung neu auszurichten?

Wir haben auch in den vergangenen Jahren schon Kaufleute im Gesundheitswesen ausgebildet. Aber der Sozialversicherungsfachangestellte ist bisher unser Hauptberuf. Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die direkt mit unseren Kunden Kontakt haben, haben ihn gelernt. Doch er ist mittlerweile ziemlich in die Jahre gekommen. Seit 1997 gab es keine Änderungen in der Ausbildungsordnung. Das sind mehr als 20 Jahre. Deshalb haben die AOKn versucht, Änderungen herbeizuführen. Das geht aber nur, wenn auch die anderen Kassen mitziehen, und die sahen keine Notwendigkeit. Also mussten wir uns damit abfinden, dass es keine Modernisierung des Berufsbildes der Sozialversicherungsfachangestellten geben würde.

Was an den Ausbildungsinhalten ist nicht mehr zeitgemäß?

Es werden viele Themen noch in einer Tiefe vermittelt, die wir für unnötig halten. Beispiel Krankengeld: Dazu haben unsere Azubis zwei Wochen Unterricht und können danach superkomplizierte Sonderfälle berechnen. Diese Aufgabe erledigt bei uns aber mittlerweile der Computer. Wir investieren also viel Arbeit in Themen, weil sie in Prüfungen abgefragt werden könnten, die aber keinen praktischen Bezug mehr haben. Gleichzeitig wollen wir gern neue Themen, die uns wichtig sind, in die Ausbildung aufnehmen. Doch da stoßen wir an Grenzen, weil wir an den alten Inhalten nicht beliebig kürzen können.[zitat autor="Frank Hohlstein, Ausbildungsleiter" image_id="undefined"]Keiner, der heute auslernt, ist für die nächsten 20 Jahre für alles gewappnet.[/zitat] Unsere Vorstände, die Versorgungsexperten und die Regionalgeschäftsführer, die genau wissen, was unsere Kundenberater bewegt, und wir haben alle dieselben Erwartungen an zukünftige Mitarbeiter. Deshalb ist es sinnvoll, dass wir uns bei der Ausbildung auf ein Berufsbild zu konzentrieren, und die Anforderungen dafür erfüllen die Kaufleute im Gesundheitswesen.

Inwiefern unterscheidet sich die Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau im Gesundheitswesen von der zum/zur Sozialversicherungsfachangestellten?

Den angehenden Kaufleuten im Gesundheitswesen wird in der Berufsschule wesentlich mehr Fachwissen vermittelt, als es bei den Sozialversicherungsfachangestellten der Fall ist. Das kommt uns als Ausbildungsbetrieb entgegen. Angehende Sozialversicherungsfachangestellte haben nämlich noch Fächer wie Sport oder Sozialkunde, die nicht unmittelbar fachlich mit ihrer späteren Arbeit zu tun haben. Kaufleuten im Gesundheitswesen vermittelt die Berufsschule aber Kenntnisse zu Pflege, Krankenhäusern, Leistungserbringern oder medizinische Grundkenntnisse – also Fachwissen, das dazu beiträgt, dass sie später unsere Kunden kompetent betreuen können. Das gibt uns den Spielraum, zusätzliche Inhalte zu vermitteln, die wir für wichtig halten, und auch mal neue Lernformen auszuprobieren. Die Kaufleute im Gesundheitswesen werden also keinesfalls fachlich schlechter sein. Wir werden sie stattdessen stärker befähigen, sich selbst Wissen anzueignen, indem wir sie beispielsweise in den für sie wichtigen Bereichen im Haus hospitieren lassen.

Was wird aus den Sozialversicherungsfachangestellten, die in den vergangenen Jahren ausgebildet wurden? Schließlich haben die Kolleginnen und Kollegen noch einige Arbeitsjahre vor sich.

Wir haben auf jeden Fall vor, neue Konzepte, die wir bei den angehenden Kaufleuten im Gesundheitswesen einsetzen, nach Möglichkeit auch in die laufende Ausbildung der Sozialversicherungsfachangestellten aufzunehmen. Abgesehen davon qualifizieren sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohnehin ständig weiter. Das galt schon vor zehn Jahren und wird auch in Zukunft gelten. Keiner, der heute auslernt, ist für die nächsten 20 Jahre für alles gewappnet.

Katja Zeidler

Katja Zeidler