Hautcheck – ein fast freiwilliger Selbstversuch

Immerhin, sie ist kompromissbereit beim Schnurrbart, bzw. folgt meiner messerscharfen Logik: „Wenn du nicht Magnum heißt oder ein 70er-Jahre Pornodarsteller bist, hast du auch keinen Schnurrbart!“ Beim Thema Früherkennungsuntersuchung bleibt sie eisern, ich habe aber für´s erste die Wahl, zu welcher Untersuchung ich gehen werde. Nach kurzer Recherche entscheide ich mich für einen Hautcheck. Das scheint mir eine Untersuchung zu sein, bei der ein Arzt nicht ganz so tief in meine Privatsphäre eindringt (Wortspiel beabsichtigt). Daneben ist es aber auch eine sehr wichtige Vorsorgeuntersuchung, denn bösartige Hautveränderungen stehen mit an vorderster Stelle in der Krebsstatistik und weisen eine hohe Steigerungsrate auf. Rechtzeitig entdeckt und behandelt, ist die Krankheit aber in den meisten Fällen heilbar. Die Haut merkt sich jeden Sonnenbrand. Meine Haut, ich bin Kind der 1960er Jahre, hat sich da allerhand zu merken. Nach meiner Erinnerung war der Lichtschutzfaktor damals noch nicht erfunden. Wenn die Sonne schien, hat sie mir halt auf den Pelz gebrannt. Schatten musste ich auch nicht suchen, es gab ja noch keine Handys, auf deren Displays sich die Sonne hätte spiegeln können. Nachdem ich im AOK-Arztnavigator eine Hautarztpraxis gefunden hatte, konnte ich dort sogar online einen Termin vereinbaren. Es handelt sich um eine Praxis mit weiblichen und männlichen Hautärzten (divers weiß ich jetzt nicht) und ich denke, die werden mich schon richtig einteilen. Dann ist der Tag gekommen. Ich bin pünktlich fünf vor acht in der Praxis und darf noch kurz im Wartezimmer Platz nehmen, wie man mir freundlich erklärt. Während ich den Anamnesebogen ausfülle und alle Kreuzchen bei „nein“ setze, sehe ich mich um und entdecke eine Menge Werbung für Botox und diverse Schönheitsbehandlungen. Auch eine Fett-weg-Spritze wird angepriesen. Bevor ich aber darüber ernsthaft nachdenken kann, werde ich abgeholt. Zu meiner Überraschung ist es dann doch eine Ärztin, eine sehr nette Dame, die – wie sich herausstellt - auch die Praxisinhaberin ist. Na ja, denke ich, wird schon gehen. Ziehe ich halt vor ihr mein Hemd aus. Und ich hoffe, dass es nicht länger dauert, als ich mit eingezogenem Bauch die Luft anhalten kann. Aber es kommt anders. Nach einem kurzen Gespräch über den Grund meines heutigen Besuches und der Frage, ob ich Beschwerden habe, weist sie auf die Kabine nebenan und drückt mir ein kleines Päckchen in die Hand. Das soll ich anziehen, sie komme dann gleich zu mir. Ich vergewissere mich noch schnell, ob ich das richtig verstanden habe (das Verb „anziehen“ korreliert nicht wirklich mit dem walnussgroßen Kunststoffpäckchen, das ich in meiner Hand halte), und gehe etwas nervös in besagte Kabine, die sich als kleiner Untersuchungsraum mit einer Art Röntgengerät entpuppt. Das Päckchen enthält einen Einmal-Stringtanga mit ganz viel String und ganz wenig Tanga. Den soll ich anziehen und alles andere nicht. Wie komme ich aus der Nummer jetzt raus, denke ich.[zitat autor="der Website der Movember-Kampagne" image_id="undefined"]Du kennst deinen Körper besser, als jeder andere. Wenn dir etwas komisch vorkommt, verdränge nicht den Gedanken daran, in der Hoffnung, es geht wieder weg, sondern geh zum Arzt und lass dich untersuchen.[/zitat] Während ich dann in meinem extravaganten Outfit noch die versteckte Kamera suche, kommt die gut gelaunte Ärztin herein und schaltet das ganz helle Licht an. Als nächstes geht sie vor mir in die Knie und begutachtet mich mit einer Art leuchtender Lupe – wie ich inzwischen weiß: ein Auflichtmikroskop – Millimeter für Millimeter. Buchstäblich. Auf der Habenseite ist zu verzeichnen: es tut gar nicht weh. Sie macht noch ein Foto von einem Muttermal, das direkt vom Computer analysiert wird, dann darf ich mich wieder anziehen und zu ihr ins Sprechzimmer kommen. Dort erfahre ich, dass alles ok ist und auch die Computeranalyse keinen Befund ergeben hat. In zwei Jahren soll ich wiederkommen. Was bleibt: ich habe eine wichtige, unter Umständen sogar überlebenswichtige Früherkennungsuntersuchung absolviert und erfahren, dass alles in Ordnung ist. Die Situation war für mich eine Begegnung der anderen Art, aber die Ärztin hat durch ihr professionelles Auftreten erst gar keine Peinlichkeit aufkommen lassen – das war nur in meinem Kopf. Es fühlt sich wirklich gut an, das Richtige getan zu haben. Mehr Informationen zum Thema Männergesundheit und Krebsfrüherkennung gibt's auf plus.aok.de.

Bernd Lemke

Bernd Lemke