Bei Schnupfen nicht in die Notaufnahme

Ja, auch ich war schonmal ohne dringende medizinische Notwendigkeit in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Zu meiner Verteidigung: Ich war irgendwas um die 13 Jahre alt. Und daher an die Entscheidung meiner Eltern gebunden. Ich hatte beim Obst schneiden meinen Finger mit der Birne verwechselt. Zwar war die Blutung heftig, was für Wunden an Fingern ja normal ist, der Schnitt an sich aber kaum der Rede wert. Die Notaufnahme war zu diesem Zeitpunkt erfreulicherweise leer und ich wurde schnell behandelt. Die Wunde wurde desinfiziert und bandagiert. Das war‘s.

Ohne Not in die Notaufnahme

Zurzeit liest man in den Zeitungen aber von anderen Situationen. Personen gehen wegen Husten, Schnupfen oder Fieber in die Notaufnahme. Oder weil sie keine Lust haben, auf den Termin beim Facharzt zu warten. Laut einer Erhebung der Uniklinik Hamburg-Eppendorf  sind mehr als die Hälfte aller Patienten in der Notaufnahme keine Notfälle und könnten auch von niedergelassenen Ärzten behandelt werden. Dass hier etwas schief läuft, ist klar. Es mehren sich auch die Berichte von Pflegekräften oder Ärzten aus den Notaufnahmen, die von angespannter Atmosphäre und aggressiven Wartenden berichten. Natürlich wartet niemand gerne mehrere Stunden. Aber wenn Notärzte und Rettungswagen Patienten bringen, gehen diese vor. Ein Schnupfen hat in der Notaufnahme keine Priorität.

Fehlende Gesundheitskompetenz

Doch woran könnte es liegen, dass viele eher in die Notaufnahme gehen, als zu ihrem Hausarzt? Vielleicht daran: Nicht einmal jeder zweite Bundesbürger verfügt laut einer Erhebung der Universität Bielefeld über eine ausreichende Gesundheitskompetenz . Das heißt, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland nicht in der Lage ist, gesundheitsrelevante Informationen korrekt zu finden, zu interpretieren und zu nutzen. Dies kann sich zum Beispiel dadurch äußern, dass bei einer Erkrankung nicht die passende Hilfe gefunden wird. Die Studie sieht auch einen Zusammenhang zwischen der Ausprägung der Gesundheitskompetenz und der Nutzung ärztlicher Notdienste. Je geringer das erste, desto häufiger wird letzteres in Anspruch genommen.

Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst hilft außerhalb der Sprechzeiten

[caption id="attachment_3720" align="alignleft" width="300"]Quelle: kbv.de Quelle: http://www.kbv.de/media/sp/KBV_116117_Plakat_praxis_zu_Und_nun.pdf[/caption] Es liegt nahe, dies als Ursache für die Situation in den Notaufnahmen des Landes zu sehen. Aber müssten dann nicht wir – die Krankenkassen – den Versicherten dabei helfen, genau die ärztliche Unterstützung zu finden, die sie benötigen? Natürlich. Dabei ist kompetente Hilfe schon seit Jahren vorhanden und nur nicht ausreichend bekannt: der kassenärztlichen Bereitschaftsdienst, die „116117“. Außerhalb der Sprechzeiten von Hausärzten sowie an Wochenenden und Feiertagen ist die Nummer erreichbar. Jeder, der die „116117“ anruft, kann sicher sein, am anderen Ende der Leitung einen kompetenten Ansprechpartner zu haben. Dieser stellt dann anhand der Schilderungen des Patienten fest, ob eine zeitnahe ärztliche Behandlung notwendig ist. Und falls ja, wird der nächstgelegene Bereitschaftsarzt vermittelt. Im Fall der Fälle kommt dieser auch zum Patienten nach Hause.

Vier Fragen vor dem Gang in die Notaufnahme

Und wenn man sich nicht sicher ist, ob man die 112 oder die 116117 anrufen sollte, sind hier vier Szenarien für den begründeten Gang in die Notaufnahme : [caption id="attachment_3719" align="aligncenter" width="183"] Quelle: www.medi-learn.de/cartoons[/caption]        

Matthias Gottschalk

Matthias Gottschalk