Fit für Musik – mit bundesweit einmaligem Präventionsprojekt

Quelle: Landesjugendorchester Sachsen, Facebook 12.10.2017

Langes Sitzen, schweres Tragen, dauerhaft hohe Konzentration, Lärm – Musiker sind hohen körperlichen und auch psychischen Belastungen ausgesetzt. Studien belegen, dass jeder zweite professionelle Orchestermusiker in Deutschland bei der Arbeit körperliche Beschwerden spürt. Und auch bei den Nachwuchstalenten ziept und spannt es schon. So klagen 79 Prozent der weiblichen Teilnehmer aus acht befragten Jugendorchestern über Beschwerden in Schulter und Rücken, 74 Prozent über Nackenprobleme. Bei den jungen Männern sind es jeweils ein paar Prozent weniger.

Der Sächsische Musikrat e.V., Träger des Landesjugendorchesters Sachsen, hat deshalb bereits 2011 gemeinsam mit der AOK PLUS das bundesweit einmalige Präventionsprojekt „Musikergesundheit“ ins Leben gerufen.

Das diesjährige Probelager fand auf dem Campus der Dresden International School statt. Foto: Bec

„Sie spüren, dass ihnen die Übungen guttun“

Bei den zweimal jährlich stattfindenden Probelagern wird seitdem nicht nur am richtigen Klang des Orchesters gefeilt, sondern auch an der körperlichen und psychischen Fitness der Mädchen und Jungen. „Es hat anfangs ein bisschen Überzeugungsarbeit gekostet“ erinnert sich Projektleiterin Ulrike Kirchberg. Heute wären die im Schnitt 16 Jahre alten Musiker begeistert bei der Sache. „Sie spüren, dass ihnen die Übungen guttun“, bestätigt Herbert Bayer. Der Diplomorchestermusiker und Dozent für Dispokinesesis leitet gemeinsam mit Stephan Berg, Instrumentalpädagoge und Sportwissenschaftler, die Übungen vom Warm-up über instrumentenspezifische Übungen bis hin zum Cool down mit Lockerungs- und Dehnungsübungen.

Belastungen wie bei Leistungssportlern

Gern vergleichen die Experten die Belastungen bei Berufsmusikern mit denen von Leistungssportlern. Nur die Rund-um-Betreuung durch Physiotherapeuten fehle. Regelmäßiges Krafttraining und Kondition bolzen sowie Koordinierungsübungen sind notwendig, ebenso Dehnübungen für Muskeln, Bänder und Sehnen. Die Probewochen geben dafür viele Anregungen – in den Alltag müssen die jungen Musiker das Gelernte dann selbst integrieren. In einer Broschüre finden sie zahlreiche Übungen.

Fehlbelastungen gefährden Musikerkarrieren

Seit 2017 gibt es eine anerkannte Berufskrankheit bei Instrumentalmusikern, die Fokale Dystonie. Eine neurologische Erkrankung, die zu oft lang anhaltenden Muskelkontraktionen führt, die der Musiker nicht beeinflussen kann. Bei Fehlbelastungen drohen also nicht nur Entzündungen und Schmerzen, sondern möglicherweise sogar das Aus für die Musikerkarriere. Das Präventionsprojekt „Fit für Musik“ soll helfen, den Ausbruch solcher Krankheiten zu vermeiden und Überlastungen vorzubeugen.

Die Angebote werden regelmäßig evaluiert und fortlaufend bedarfsgerecht weiterentwickelt. 94 Prozent der Teilnehmer waren 2016 zufrieden oder sehr zufrieden mit den Inhalten und werden das Thema weiter in ihre heimischen Musikschulen tragen.

Ansprechpartnerinnen:
Ulrike Kirchberg, Projektleiterin beim Sächsischen Musikrat e.V.,
Tel. 0351/8104237; kirchberg@saechsischer-musikrat.de

Sabine Wolff, Projektleiterin bei der AOK PLUS,
Tel. 0800 10590 83052 (kostenfrei), sabine.wolff@plus.aok.de

Hallo Ulrike,
toller Beitrag. Es ist immer wieder erschreckend zu sehen in wie vielen Branchen, der Mensch seinen Körper falsch strapazieren kann. Als Steuerberater hat man ja eher die Standard „Büroprobleme“, aber ich finde es toll, dass ihr so gezielt versucht dagegen vorzugehen. Auch der Blog ist super, ich versuche meinen auch immer auf dem neusten Stand zu haben. Schaut doch mal rein: https://ask-steuerberater-hannover.de/ Weiter so.
Grüße aus Hannover
Michael

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