Health Games: Spielen für die Gesundheit

Mit Wearables und diversen Apps vermessen sich Menschen in Deutschland bereits seit Jahren. Sei es beim Jogging die Dauer und Distanz, im Alltag die zurückgelegten Schritte oder die Ernährungsgewohnheiten. Mit dem eigenen Smartphone ist dies heute ohne Probleme möglich. Auch bei uns besteht die Möglichkeit, über eine App an unserem Bonusprogramm teilzunehmen und die eigene gesunde Lebensweise für Geldprämien nachzuweisen.

Einsatz digitaler Hilfsmittel eigentlich nichts neues

Doch was ist, wenn die Krankheit bereits da ist? Wenn es weniger um Prävention, sondern mehr um Behandlung geht, wie können dort Smartphone oder Computer helfen? Ein gutes Beispiel liefert die Expositionstherapie, bei der Angststörungen behandelt werden. Bereits seit den 1990er Jahren wird in diesem Bereich die VR (Virtual Reality)-Technologie eingesetzt, um Patienten mit zum Beispiel Klaustrophobie oder Höhenangst zu therapieren. Die Vorteile dieser Art der Therapie sind vielfältig und können am Beispiel Flugangst gut erläutert werden: Da kein extra Flug gebucht werden muss, fallen die Kosten bedeutend geringer aus. Auch die Dosierbarkeit des Angstreizes ist wesentlich besser steuerbar und diese Therapieform ist relativ ortsungebunden.

Apps für den täglichen Gebrauch

Im Bereich der Psychotherapie gibt es mit der App „Arya Mood Tracker“ ein Unterstützungswerkzeug für Therapeuten und Patienten, mit denen diese die Behandlung besser verfolgen und somit noch individueller gestalten können. Ziel der App ist es, Therapeuten einen besseren Einblick in den Tagesablauf zu geben und den Patienten mit Aktivitätsvorschlägen dabei zu helfen, negative Situationen zu umgehen.

Auch die AOK bietet ein onlinebasiertes Verhaltenstraining bei depressiven Erkrankungen an. „MoodGym“ (siehe Titelbild) vermittelt Techniken und Methoden aus der Verhaltenstherapie, welche Erkrankten dabei helfen, auslösende negative Alltagssituationen zu bewältigen. Im Vordergrund steht dabei die Hilfe zur Selbsthilfe und somit die Unterstützung der Therapie. Neben einem interaktiven Spiel werden Fragebögen, Audio-Dateien mit Entspannungsübungen, ein Arbeitsbuch sowie kontinuierliches Feedback angeboten.

„Serious Games“ im Gesundheitsbereich

Luftikids zeigt Kindern, wie sie ihre Asthmaerkrankung einfach bewältigen können.

Nicht nur unterwegs, auch daheim oder in Gemeinschaft sind Computerspiele ein geeignetes Mittel, um Wissen über eine Krankheit zu vermitteln und bei der Bewältigung zu helfen. Speziell für Kinder mit einer Asthmaerkrankung ist das Spiel „Luftikids“ entwickelt worden. Diese lernen spielerisch den richtigen Umgang mit ihrer Erkrankung und auch, wie sie korrekt ihre Peak-Flow-Werte messen. Zusätzlich werden auch Vorsorgemöglichkeiten, asthmaauslösende Faktoren und Therapiemöglichkeiten vermittelt, sodass die Kinder und Jugendlichen leichter an der Verbesserung ihres Krankheitsbildes mitwirken können.

Bereits seit 2006 unterstützt das Spiel „Re-Mission“ junge Krebspatienten dabei, mit ihrer Krankheit umzugehen. In dem Spiel zerstören die Spieler als Nanobot Krebszellen im Körper eines Patienten. Die Kinder lernen dabei viel über die verschiedenen Behandlungsformen bei einer Krebserkrankung, wie diese funktionieren und dass man sich für eine erfolgreiche Behandlung starr an diese zu halten hat. Und das Spiel schafft es auch, bei den jungen Patienten eine positive Grundstimmung zu erzeugen, sodass diese der Behandlung offener gegenüberstehen.

Spiele und Apps kein Allheilmittel

Trotz all der positiven Beispiele ist es unumgänglich, sich bei schwerwiegenden Krankheiten in ärztliche Beratung zu begeben. Die vorgestellten Spiele und Apps sehen sich selbst daher auch nur als unterstützende Therapie- oder Behandlungsform, welche die Motivation steigern sollen. Jedoch gibt es vor allem im Bereich der unzähligen Gesundheits-Apps noch ein großes Problem: Es fehlt bei ihnen an einem umfassenden Qualitätsmanagement. Und solange dies nicht eingeführt wird, sollte bei gesundheitlichen Beschwerden der Gang zum Arzt dem Blick auf das Smartphone immer vorgezogen werden.

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