Herzensangelegenheit

Eine Ausnahme bin ich jedoch nicht – ich gehöre zu den acht von zehn Deutschen, die ihre Organe oder Gewebe im Fall des Hirntodes spenden würden. Nur jeder Dritte dokumentiert eben seine Bereitschaft mit einem Organspendeausweis. Das Thema ist sensibel und wie man umgangssprachlich sagt, eine Herzensangelegenheit. In vielerlei Hinsicht.

Für mich, weil ich vor über 15 Jahren bereits beschlossen habe, zu helfen, wenn es in Frage käme und für meine Eltern, weil diese mich zum gleichen Zeitpunkt darum baten, keinen Ausweis mit mir zu führen.

Die Angst, dass für ihre Tochter nicht alles menschenmögliche getan würde, weil möglicherweise mit ihren Organen andere gerettet werden könnten, war und ist zu groß. Wir entschieden gemeinsam, dass sie im Falle des Falles die (für Eltern bestimmt sehr schwere) Entscheidung  nach meinem Wunsch treffen müssten. Es war für sie das kleinere Übel.

Ich bin inzwischen Mitte Dreißig, könnte den Ausweis einfach ausfüllen und einpacken, aber wir halten weiter an unserer Vereinbarung fest. Ich bleibe schließlich immer das Kind und kann heute – inzwischen selbst Mutter – ihre Ängste besser verstehen. Aber ich weiß, dass sie ihr Versprechen halten.

Weitere Infos zum Thema:

Aktuelle Presseinfo: Zu wenige Sachsen tragen einen Organspendeausweis

Aktuelle Presseinfo: Zu wenige Thüringer tragen einen Organspendeausweis

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Deutsche Stiftung Organtransplantation

Mich hat vor ein paar Jahren ein Buch dazu gebracht, endlich den Organspendeausweis auszufüllen und immer bei mir zu tragen.
David Wagner hat in seinem Roman „Leben!“ die eigene Erfahrung verarbeitet: er hatte seit Kindertagen eine lange nicht erkannte Lebererkrankung. Die wäre – wie bei dem Protagonisten seines spannend geschriebenen Buches – früher oder später tödlich verlaufen. Jahrelang hat er auf ein Spenderorgan gewartet und es dann bekommen. Die Beschreibung des Wartens auf die Operation und der Gefühle danach in seinem ca. 300 Seiten umfassenden Roman ist unglaublich bewegend und hat mich überzeugt – im doppelten Sinne…

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Für mich ist die Bereitschaft zur Organspende einfach ein Akt der Menschlichkeit. Meine Organe mit meinem toten Körper zu beerdigen oder zu verbrennen, obwohl diese einem anderen Menschen das Leben retten können, ist für mich unvorstellbar, geradezu unerträglich.

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Was bei mir immer hängen bleibt – viele sind bereit ihre Organe zu spenden, nur keiner dokumentiert es.
Da frage ich mich immer wieder, ob nicht die Widerspruchslösung eine bessere Alternative wäre? Bedeutet, hat der Verstorbene einer Organentnahme zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen, so können Organe zur Transplantation entnommen werden.
In 23 von 30 EU-Ländern greift dieses Verfahren.
Mich persönlich bewegt dabei ein Gedanke ganz besonders. Falls es zum Äußersten kommen sollte, möchte ich meine Liebsten, die sich ohnehin in einer sehr belastenden Situation befinden, wenigstens in diesem Moment von einer schwerwiegenden Entscheidung entlasten.

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Geht es um Organspende, denke ich immer an die Menschen, die ich vor einigen Jahren im Rahmen einer Recherche im Uniklinikum in Kiel kennenlernte. Den jungen Mann, der täglich ein Dutzend Medikamente schlucken musste, für die einfachsten alltäglichen Handgriffe keine Kraft hatte und dringend eine neue Leber brauchte. Oder die Frau, deren Händedruck zwei Tage nach ihrer Transplantations-OP kaum spürbar war und sie sich so sehr darauf freute, endlich mit ihrem kleinen Enkel Schritt halten zu können. Dass da das Organ eines unbekannten, verstorbenen Menschen in einem weiterarbeitet, damit müsse man erst einmal klarkommen, sagte sie mir. Aber ich bin mir sicher: Ich würde auch überleben wollen und auf eine Organspende hoffen. Da ich dieses Geschenk von anderen erwarte, ist es für mich selbstverständlich, dass ich selbst auch einen Organspendeausweis bei mir trage.

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Seit 2011 habe ich den Organspendeausweis im Portmonee. Damals stand in unserem Sekretariat eine Kiste mit den Ausweisen, bequem zum Mitnehmen. Das Ausfüllen war schnell erledigt. Sich selbst einen Ausweis zu besorgen, ist mit etwas Aufwand verbunden und rutscht sicher so manchem Spendenwilligen im Alltag durch. Seit kurzem habe ich einen sehr persönlichen Bezug zu dem Thema. Eine gute Bekannte aus Studienzeiten wartet dringend auf eine Spenderlunge. Das geht mir schon ziemlich nahe. Gäbe es in Deutschland die Widerspruchslösung, hätte sie vielleicht schon ein neues Organ und könnte wieder unabhängig von diversen Hightechgeräten frei atmen.

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