Jetzt müssen Taten folgen

Das 2015 in Kraft getretene Präventionsgesetz verpflichtet die gesetzlichen Krankenkassen zur Zusammenarbeit.  Normalerweise Wettbewerber, sollen sie sich nun als Partner dort gesundheitsfördernd engagieren, wo die Menschen leben, lernen und arbeiten. Eine Herausforderung für alle Beteiligten.

Bei der Fachkonferenz jüngst in Dresden trafen sich nun erstmals Vertreter von Sozialversicherungsträgern und Ministerien, der Arbeitsagentur, vom Landkreistag und dem Städte- und Gemeindetag, um zu diskutieren, wie die Bedingungen in Schulen und Kitas, in Betrieben oder im Wohnort so gestaltet werden können, dass sie sich langfristig positiv auf die Gesundheit der Menschen auswirken.

Sächsisches Geld in Sachsen anlegen

In Kitas und Schulen gibt es bereits jede Menge Aktivitäten der Krankenkassen: von eher marketing­getriebenen Einmal-Aktionen bis hin zu Programmen wie Jolinchenkids, das mit Wissenschaftlern erarbeitet wurde. In 100 Kitas ist die AOK PLUS mit diesem Projekt unterwegs. In Betrieben funktioniert die Gesundheitsförderung ebenfalls schon recht gut – auch weil Arbeitgeber zunehmend erkennen, dass eine gesunde Belegschaft mitentscheidend für Unternehmenserfolge ist. Die AOK PLUS betreute 2016 insgesamt 1.059 Betriebe mit über 330.000 Beschäftigten, um sie für das Thema Mitarbeitergesundheit zu sensibilisieren.

Vorschulkinder im Leipziger Stadtteil Grünau bei den „Ernährungstagen“.

Dagegen steckt die Gesundheitsförderung in den Kommunen noch in den Kinderschuhen. Aber: Sie ist keine Good-will-Aktion. Das Präventionsgesetz hat die gesetzlichen Krankenkassen auch hier zur Zusammenarbeit und Finanzierung verpflichtet. Werden die Gelder nicht für entsprechende Projekte abgerufen, fließen sie in den bundesweiten Gemeinschaftstopf der gesetzlichen Krankenkassen.

Die AOK PLUS als regionale Kasse möchte aber, dass sächsische Beitragsgelder auch in Sachsen bleiben. Um sie sinnvoll anzulegen, sollen jedoch nicht aktionistisch zeitlich und finanziell befristete Projekte gestartet, sondern dauerhafte gesundheitsförderliche Strukturen in den Städten und Gemeinden geschaffen werden. Dafür braucht es die Gesundheitsämter, engagierte Bürgermeister und Landräte.

Leipzig ist Vorreiter

Wie kommunale Gesundheitsförderung funktionieren kann, zeigt Leipzig. Hier wurde das Thema Gesundheit ins Stadtentwicklungskonzept aufgenommen. Seit fünf Jahren gibt es eine vom Rathaus finanzierte „Koordinierungsstelle kommunale Gesundheit“. Diese hilft,  gesundheitsfördernde Projekte zu entwickeln, durchzuführen und zu evaluieren, ebenso, Fördermittel zu akquirieren. Die AOK PLUS war mit ihrem fachlichen Know-How Geburtshelfer des Modellprojektes und begleitet das „Kind“ auch weiterhin. Inzwischen beteiligen sich auch andere gesetzliche Krankenkassen.

Ämterübergreifend wird hier beispielsweise geprüft, ob und wie bei geplanten Bauvorhaben gesundheitsförderliche Aspekte berücksichtigt werden können. Muss ein Schulhof erneuert werden, kann man ihn einfach nur pflastern oder eben gleich bewegungsfreundlich gestalten.

Beispielhaft ist auch das Stadtteilprojekt „Grünau bewegt sich“. Es hat die Gesundheitsförderung von Kindern und die Adipositasprävention im Visier. Allen Kindern in Grünau soll – unabhängig von ihrer Herkunft – ein gesunder Start ins Leben ermöglicht werden. Dabei geht es u.a. um altersgerechte Bewegungsangebote in Wohnnähe, eine dritte Sportstunde im öffentlichen Raum, um mehr Grün- und Freiflächen sowie Spielplätze, um bewegungsfreundliche Schulwege  oder um ein gesünderes Lebensmittelangebot im Supermarkt. Projekte, die sich bewähren, sollen nun ins Land getragen und regionale Partner wie Vereine einbezogen werden.

Statt Appellen: Verhältnisse ändern

Mit Appellen für das „richtige“ Verhalten erreicht man eher wenig. Jeder ist zuerst für sich selbst verantwortlich. Da waren sich die Konferenzteilnehmer ziemlich einig. Wichtig sei viel mehr, die sozial bedingte gesundheitliche Chancenungleichheit zu reduzieren und die Verhältnisse gesundheitsförderlich zu gestalten.

Mit der 2016 geschlossenen Landesrahmenvereinbarung (LRV) haben die Sozialversicherungsträger und der Freistaat dafür einen wichtigen Grundstein gelegt. Gesundheitsförderung soll nachhaltig angelegt, der Evaluation und Qualitätssicherung ein hoher Stellenwert eingeräumt werden. Die Beteiligten stimmen sich nun bedarfsbezogen ab.

Gemeinsam im Interesse aller – es wäre schön, wenn es so künftig in der Praxis funktioniert.


Interessanter Link:
Bericht der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e.V. (SLfG) zur Fachkonferenz

Mehr Spielplätze und Grün- und Freiflächen wären nicht nur in Grünau wünschenswert. Ohne nostalgisch klingen zu wollen, ist es heute für Kinder schon schwer einen Platz in der Stadt zu finden, auf dem sie spielen, toben und lachen können. Die Freiheit, die ich als Kind hatte, die haben Kinder heute nicht mehr. Vorgefertigte kleine Spielinseln statt Abenteuerluft im Großstadtdschungel.
Schön, wenn sich dem Thema angenommen wird, aber ob da Lösungen hinterm Schreibtisch zum Ziel führen – ich weiß es nicht. Der Wunsch ist bestimmt da – aber was kommt davon an.

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