Krankenhäuser in der Corona-Pandemie

„So schnell wie noch nie“ haben Bundestag und Bundesrat das „Krankenhausentlastungsgesetz“ verabschiedet. Damit erhielten die Krankenhäuser in Deutschland die finanzielle Unterstützung und Sicherheit, die sie zur Behandlung von Corona-Patienten benötigen. Das war richtig und wichtig, um die Behandlungskapazitäten für Covid-19-Patienten vorhalten zu können.

Vorbereitet auf den Ernstfall

Nahezu alle Krankenhäuser in Sachsen und Thüringen haben diese Möglichkeit auch genutzt und Betten freigehalten oder Beatmungsplätze geschaffen. Laut DIVI-Register (Stand: 13.05.2020) werden derzeit 1730 Intensivbetten in Sachsen und 1048 in Thüringen betrieben. 36 bzw. 39 Prozent davon sind frei und stehen für die Behandlung von Covid-19-Patienten zur Verfügung. Daneben haben Kliniken aufschiebbare Operationen abgesagt bzw. verschoben, um OP-Kapazitäten frei zu halten. Alles in allem sehr gute Maßnahmen.

Entwicklung der Behandlungszahlen

Entwicklung der Aufnahmezahlen im Jahresvergleich.

Gleichzeitig zu den krankenhausseitig heruntergefahrenen Behandlungen haben auch viele Patienten ihre Termine abgesagt. Das führte in der Summe zu einem starken Abfall der Krankenhausaufnahmen ab der zwölften Kalenderwoche im Vergleich zum vergangenen Jahr. Der bisherige Tiefpunkt im PLUS-Land wurde in der 15. KW mit -42,2 Prozent erreicht. Wobei dieser in Sachsen bundesweit noch am geringsten ausfällt. Auch wenn bereits wieder mehr Aufnahmen absehbar sind, muss der Spagat zwischen der Vorhaltung von Behandlungskapazitäten der Krankenhäuser für Covid-19-Patienten und der Rückkehr zum klinischen Alltag für alle anderen Patienten gelingen. Eine mögliche Lösung aus Sicht der AOK PLUS wäre es, Covid-19-Patienten an ausgewählten Standorten zu behandeln.

Rückgang der Aufnahmegründe nach ICD-Kapiteln März-April 2020.

Eine Betrachtung der Entwicklung nach einzelnen Leistungsbereichen gestaltet sich schwierig. Zum einen können wir nur Aussagen über AOK PLUS-Versicherte treffen (was immerhin jeder zweite Versicherte in Sachsen und Thüringen ist), zum anderen müsste man die Bereiche in einer Tiefe vergleichen, die hier definitiv den Rahmen sprengen würde. Auf einer abstrakten Ebene lässt sich aber festhalten, dass Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sowie des Bindegewebes und Erkrankungen der Augen oder Ohren mit den stärksten Rückgang verzeichnen (siehe Grafik).

Fehlanreize für Kliniken

Ein finanzielles Problem für die Kliniken? Nein. Denn für das Freihalten von Betten erhalten sie, wie beschrieben, laut Krankenhausentlastungsgesetz eine Entschädigung. Leider hat das auch unschöne Nebenwirkungen nach sich gezogen. Denn manche Kliniken haben gerechnet und festgestellt: die Entschädigung ist profitabler als die bisherigen Behandlungen. Und haben dann mehr Betten freigezogen, als vom Gesetzgeber beabsichtigt. Gleichzeitig haben einige Kliniken in Thüringen versucht, für Ärzte und Pflegekräfte Mitte April 2020 Kurzarbeit anzumelden, da aufschiebbare Behandlungen verschoben wurden. So geschehen in Schleiz und Eisenberg. Eine seltsame Situation, die mit einer Weisung der Bundesagentur für Arbeit vom 07.05.2020 gelöst wurde.

Behandlungen wieder ermöglichen

Dessen ist sich auch die Politik bewusst. Denn das Bild, dass Krankenhäuser leer stehen, weil mit Verweis auf Covid-19 keine Behandlungen oder Operationen durchgeführt werden, lässt sich bei sinkenden Infektionszahlen immer schwerer in der Öffentlichkeit verteidigen. Daher hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) eine Wiederanlaufstrategie für Krankenhäuser entworfen. Zukünftig sollen 25 Prozent der Betten auf Intensivstationen für die Behandlung von Covid-19-Patienten vorgehalten und 70 Prozent der OP-Kapazitäten wieder für planbare Eingriffe genutzt werden. Als überaus positiv ist festzuhalten, dass das Papier den regionalen Akteuren die notwendigen Gestaltungsmöglichkeiten an die Hand gibt, um die Versorgung nach regionalen Notwendigkeiten gestalten zu können. Auch die Ausgleichszahlungen sollen eine Differenzierung erfahren, z.B. nach Bettengrößenklassen oder anderen Krankenhauskriterien, sodass der Weg der Krankenhäuser für eine Rückkehr zum Regelbetrieb nicht durch die Ausgleichszahlungen unnötig vernebelt wird.

Was lernen wir aus allem? Das schnelle Handeln des BMG war gut, um notwendige Behandlungskapazitäten zu schaffen und den Krankenhäusern finanzielle Sicherheit zu geben. Fehlanreize müssen nun abgestellt werden, um die Regelversorgung für Patienten wieder anlaufen zu lassen. Die Möglichkeit, regionale Versorgungsschwerpunkte für die Covid-19-Behandlung zu schaffen, entlastet andere Krankenhäuser und sichert eine hohe Behandlungsqualität.

Zusammen mit Simone Leiße, Referentin Politische Kommunikation der AOK PLUS.

Hhm , sie wissen schon das es den Patienten der nur Covid 19 hat nicht gibt . Der Großteil der Patienten hat Covid als Begleiterkrankung und die Grunderkrankung ist in einem dafür vorgesehenen Fachgebiet zu behandeln und die Corona Erkrankung dazu ,Insofern ist ihr Anspruch die Patienten ausschließlich in wenigen Krankenhäusern zu behandeln entweder sehr ambitioniert , weil diese von Ihnen ausgewählte Krankenhäuser Maximalversorger sind oder wirklichkeitsfremd.Was die von Ihnen beklagten Fehlanreize betrifft , empfehle ich Ihnen mal zu überlegen , das ein Hochfahren der Regelbetten eben nicht von heut auf morgen erfolgen kann .Die Patienten müssen verinnerlichen das sie im Krankenhaus nicht gefährdet sind . Die Hyg . Auflagen ,die Patiententestung , der Isolation bis vorliegen des Testergenisses , die räuml-Bedingungen viele 3Bettzimmer auch noch 4- Bettzimmer statt vieler Einbettzimmer erschweren schon ein Hochfahren im Sinne der Krankenkassen . Wenn sich der Bundesminister immer noch Freihaltung von Bettenkapazitäten wünscht-25% .Im übrigen wurde die Pandemie noch nicht aufgehoben , also sind die Kliniken verpflichtet sich weiterhin auf mögl. kranke Patienten die mit Covid infiziert sind vor zu- bereiten und Kapazitäten freizuhalten. Darüber hinaus ist es schon sehr auffällig das ihrerseits mal wieder die Krankenhäuser an den Pranger gestellt werden -Fehlanreize ,Krankenhäuser fahren nicht schnell genug hoch . Als Krankenkasse haben sie mal glatt vergessen zu erwähnen das ja auch die Krankenkassen am Rettungsschirm sich hätten beteiligen können, Schliesslich sollte es doch auch den KK wichtig sein das die stationären Leistungserbringer nicht pleite gehen . Der Staat , die Gesellschaft ist eingesprungen , nicht die Krankenkassen.Testung und Impfschutz und erneute Testung auf Antikörper könnte man auch unter dem Stichwort Prävention unterbringen , dann wäre es schon eine Aufgabe der gesetzl. aber auch der privaten Krankenkassen . Schließlich kostet die Behandlung der an Covid erkrankten Pat- auch ein Geld . Aber im Aufwandsvergleich vielleicht nicht so viel wie die Prävention aller gesetzl. versicherten Bürger-(denkt sich u.U so mancher Kassenvertreter.)Ich will der AOK hier nichts unterstellen , doch es drängt sich dieser Verdacht eben auf.

Antworten

Hallo Frau Holtzsch,
es sind in den letzten Wochen eine Vielzahl von Gesetzen und Maßnahmen beschlossen worden, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen und unser Gesundheitssystem stabilisieren sollen. Das ist richtig und wichtig. Durch diese und weitere Maßnahmen, etwa in der Pflege und in Bereich Rehabilitation, stemmen die gesetzlichen Krankenkassen zusätzliche Ausgaben von insgesamt über sechs Milliarden Euro allein im Jahr 2020. Der Bund schießt noch einmal knapp drei Milliarden aus dem Bundeshaushalt dazu. Das bedeutet, dass das GKV-System die finanzielle Hauptlast dabei trägt. Versichertenbeiträge sind jedoch an definierte Zwecke gebunden und der öffentliche Gesundheitsschutz gehört nicht dazu. Für die individuelle Gesundheitsversorgung der Versicherten sind die Krankenkassen zuständig, für den allgemeinen Infektionsschutz die staatlichen Gesundheitsbehörden. Insofern muss hier bspw. bei Testkosten sowie Vorhaltungen im Kontext der Pandemie genau unterschieden werden.

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