Lorbeeren für die Physiotherapeuten

© M. Schuppich

Hätten Sie es gewusst? In Sachsen werden mehr physiotherapeutische Leistungen verordnet als in jedem anderen Flächenbundesland. Im Durchschnitt erhielt jeder Versicherte im vergangenen Jahr für 66 Euro Krankengymnastik, Massagen oder andere Anwendungen. In Thüringen waren es 50 Euro. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt in der gesetzlichen Krankenversicherung (kurz: GKV) lag bei 55 Euro. Nach der Heilmittelstatistik des GKV-Spitzenverbandes hat die Physiotherapie in den zurückliegenden Jahren stark an Bedeutung gewonnen. So sind die sächsischen Umsätze von 2009 bis 2014 um 39 Prozent gestiegen.

Befragung von 400 Versicherten

Für die AOK PLUS ein Grund, mal genauer hinzuschauen. Im Jahr gibt sie 167 Millionen Euro für den Bereich Physiotherapie aus. Das tut sie natürlich gern, wenn sie weiß, dass jeder Cent gut angelegt ist – nämlich in die Gesundheit ihrer Kunden. Aber stimmt auch die  Qualität der erbrachten Leistung? Mit dieser Frage fühlte sie in diesem Sommer 400 Versicherten nach einer krankengymnastischen Behandlung auf den Zahn.

Das Ergebnis lässt keinen Zweifel: Leistungen und Service der Physiotherapeuten können sich sehen lassen. Durch die Bank weg wird den Vertragspartnern eine gute Arbeit auf hohem Niveau bescheinigt. Die Praxen punkten durch die Qualität der Behandlung sowie durch Diskretion, Sauberkeit und Zuverlässigkeit.

Gewissenhaft klären die Therapeuten auch auf, dass eine aktive Mitarbeit des Patienten für den Erfolg der Behandlung notwendig ist, was mit moralisierender Wichtigtuerei nichts zu tun hat. Im Gegenteil. Wenn jeder zweite Befragte sagt, dass sich sein gesundheitlicher Zustand nach der Behandlung verbessert hat, ist das in gewisser Weise auch der Hartnäckigkeit geschuldet, mit der die Behandler an „ihre  Hausaufgaben“ erinnern.

Gesünder und weniger Arzneien

Der Versicherte profitiert in vielerlei Hinsicht. Es geht ihm gesundheitlich nicht nur besser, er braucht auch weniger Medikamente. Zwei Drittel der Befragten sagen, dass sie ihren Bedarf zurückschrauben oder Arzneien ganz absetzen konnten. Dass nahezu jeder Patient die Praxis, in der er seine Krankengymnastik erhalten hat, weiterempfehlen würde, versteht sich da fast schon von selbst.

Das gute Abschneiden der Leistungserbringer freut natürlich in allererster Linie den bei der AOK PLUS zuständigen Bereich. Als Polster zum Ausruhen will man die Lorbeeren aber nicht verstanden wissen. Um dem Anspruch „Qualität vor Quantität“ weiterhin gerecht zu werden, entstehen gemeinsam mit den Verbänden der Physiotherapie neue Ideen.

Kritische Töne gehen nicht unter

Dabei geht es auch darum, auf die kritischen Hinweise zu reagieren, die mit der aktuellen Befragung eingegangen sind. Einige Versicherte monierten etwa das häufige Wechseln eines Therapeuten oder wünschten sich mehr Aufklärung im Vorfeld einer Krankengymnastik durch den behandelnden Arzt.

Vielen Dank für die Anerkennung unseres Berufes.
Eine kleine Anmerkung in Bezug auf die Aufklärung eines Arztes über Krankengymnastik: Dies dürfte schwierig werden, da im Medizinstudium gerade mal ca zwei Stunden Kenntnisse über die Arbeit eines Physiotherapeuten aufgezeigt werden. Auch der Begriff: „Krankengymnastik“ ist alles andere als zeitgemäß, da in der physiotherapeutischen Ausbildung sowohl Manuelle Therapie, Massagen, Bobath PNF und viele andere Techniken unterrichtet werden.

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Und das alles in 15 Minuten für knapp 15 Euro Brutto !!!
Heilmittelerbringer sind immer noch die Fußabtreter des Gesundheitswesen. Hohe Ausbildungs-, fortbildungskosten, Akkordarbeit am Patienten und ein vorgezeichneter Weg in die Altetsarmut.
Nicht zu vergessen die bürokratischen Gängelungen durch unsere Krankenkassen.
Wenn Sie unsere Arbeit wirklich schätzen würden, würden sie uns endlich angemessen bezahlen um weiterhin eine qualitativ hochwertige Arbeit zu gewährleisten.
Seit Jahren wird dieser Traumberuf mit Füßen getreten. Und rein wirtschaftlich ist die Physiotherapie zum Alptraum geworden.
Wenn ich meine Arbeit am Patienten nicht so lieben würde hätte ich schon lange den Beruf gewechselt.
Mit freundlichen grüßen
S.Aboulyazid

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Danke für die exakte Darstellung. 100 % richtig, was du schreibst. LG

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Genau so ist es! Und der Unterschied im Verdienst zwischen Therapeuten in den neuen Bundesländern und den alten ist noch immer enorm! Man kann im Osten im Angestelltenverhältnis nicht wirklich davon leben, und das nach über 25 Jahren Wiedervereinigung! Das darf einfach nicht sein!! Die immensen Kosten für Aus- und Fortbildung sind die gleichen! Das kommt freilich in solch einem Artikel nicht zur Sprache!

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Völlig richtig. Angestellte Physiotherapeuten können trotz jahrelanger Berufserfahrung von ihrem Einkommen nicht leben. Man verhungert als Vollzeitkraft praktisch während der Arbeit und soll dabei noch anderen helfen.
In keinem anderen medizinischen Beruf (selbst Arzthelferinnen bekommen ein 13. Jahresgehalt oder Pflegekräfte auch und viel mehr Jahresurlaub und noch vieles mehr, auch Krankenschwestern verdienen viel mehr in jeder Hinsicht) wird so derartig schlecht mit Mitarbeitern, von Seiten der Krankenkasse, den Arbeitsbedingungen usw. umgegangen.
Unsagbar schlechte Bezahlung, teure Ausbildung, kein Einkommen während Ausbildung, extrem teure „Zwangs“fortbildungen (man hat sie zu haben und punkt), kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld, keine Vermögenswirksame Leistungen, unbezahlte Überstunden, keine Bezahlung wenn Patienten absagen (obwohl angestellt), wenig Urlaubstage, täglicher krankmachender Schichtwechsel, schlechteste Arbeitszeiten, hohe Wochenstundenzahl, kein Tarif, harte und schwere Arbeit (körperlich wie psychisch), kein Kündigungsschutz, enormer Zeitdruck, hohe Fluktuationen, keine Planungsmöglichkeiten, extreme Flexibilität, unglaublicher Leistungsdruck von allen Seiten, keine Wertschätzung, keine Anerkennung, keine sonstigen Geldwerten Vorteile.
Ich habe diesem Beruf den Rücken zugedreht, weil ich selbst jetzt völlig k.o. bin und arm obendrein. Rente völlige Altersarmut. Wofür habe ich sooooo derart hart gearbeitet, gelernt und anderen Menschen geholfen, den Krankenkasse sooo viel Geld gespart???????????????? Mir hilft jetzt aber niemand. Ich bereu den Beruf jemals ergriffen zu haben.
Das Schlimmste, dass nach wie vor die Welt noch glaubt, wie toll und wichtig der Beruf Physiotherapeut angeblich sein soll. Ich finde den Beruf unmenschlich mit all den ganzen Bedingungen.

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Da arbeitet man doch gerne für eine unglaublich niedrige Vergütung und freut sich wenn gerade von der AOK immer wieder Rezepte nicht bezahlt werden weil minimale Formfehler übersehen wurden!
Werden die Versicherten eigentlich darüber aufgeklärten wie wenig die Heilmittelerbringer für ihre Leistungen bekommen?
Zum Beispiel 9,81 Euro für eine klassische Massage oder 14,89 Euro für eine Physiotherapie..!

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unsere BG heisst ja nicht um sonst „gesundheitsdienst & WOHLFAHRTSpflege“…. 🙂
physio macht man aus BERUFUNG und nicht um reich zu werden…
ne ernsthaft: leider haben wir Physios immer noch eine sehr schwache Lobby

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Danke für Ihre Meinungen und die ergänzenden Hinweise. In dem Beitrag geht es um die gute Arbeit, die von Physiotherapeuten in Sachsen und Thüringen geleistet wird. Natürlich haben wir darüber hinaus stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte unserer Vertragspartner. Die entsprechenden Berufsverbände laden wir deshalb auch in regelmäßigen Abständen zu einem gemeinsamen Arbeitskreis nach Dresden ein.

Das Ganze hat sich als ein gern genutztes Forum etabliert, um die unterschiedlichsten Fachthemen und Probleme zu besprechen. Im konstruktiven Gespräch räumen wir Missverständnisse aus und finden zum Beispiel Wege zur Entbürokratisierung und Verbesserung des Abrechnungsprozesses. Reden hilft, das finden nicht nur wir. Auch die Vertreter der Physiotherapeuten sind damit äußerst zufrieden.

Und noch eine gute Nachricht: Die Vergütungen der Physiotherapeuten in Sachsen und Thüringen steigen zum 1. Juni 2016 um knapp 6 Prozent. Dies stellt eine deutliche Vergütungserhöhung dar und anerkennt die guten Leistungen unserer Vertragspartner.

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6%…. das ist ja lachhaft! Nichts mehr als ein Almosen für die tägliche Akkordarbeit im 20-min.-Takt! Und die immer mehr ausufernde Bürokratie in der Praxis dürfen wir dann in den Feierabendstunden erledigen, prima!

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Ich weiß nicht wie Sie auf 6% kommen? Es ist eine unfaßbare Schande, was die AOK hier betreibt und derart unverschämt,was Sie hier schreiben. Da ist es doch angebrachter lieber still zu sein an Ihrer Stelle.
Wo ist der Ost/West Ausgleich?? Ist es nicht die AOK, die dies mit allen Mitteln verhindert? Warum werden z.B. in Bayern unsere Kollegen so viel besser vergütet, gerade wenn man bedenkt,dass doch die AOK Plus finaziell wesentlich besser da steht,als der AOK Verband Bayern.
Ich glaube viele Therapeuten in den neuen Bundesländern wären froh,wenn sie wenigstens das Einkommen hätten, welches die „kleinste Sekretärin“ bei der AOK bekommt.Wobei dies keine Diskriminierung einer Sekretärin darstellen soll.
Wenn Ihre Politik so weitergeht, bleibt einem bald nichts anderes mehr übrig,als die Kassenzulassung zurück zu geben, wie es immer Kollegen auch machen.
Eine Entwicklung, die ich selber nicht gut finde, aber gut verstehen kann und an der letztlich die gesetzlichen KK, insb. die AOK, selber schuld sind.
Ihre Politik macht die kaputt,die Sie in ihrem Artikel oben loben.
Dies mag sich für Ihrer Versicherten gut lesen,die nichts von Ihrer Vergütungspolitik wissen,aber bestimmt nicht für unseren Berufsstand.
Eine angemessene Vergütung seitens der AOK wäre besser, als diese überflüssigen warmen Worte.

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Der häufige Wechsel der Therapeuten ergibt sich aus der vorgeschriebenen Frequenz der Behandlungen! Auch mich macht es fertig wenn ich ständig neue Patienten habe-in 20 Minuten soll ich wunder vollbringen! Und wehe wenn die Frequenz nicht stimmt!

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Grundsätzlich ist es ja erst einmal schön, dass die AOK auf die Arbeit von Physiotherapeuten aufmerksam geworden ist. Sicherlich liegt der Grund nicht darin, weil man den Physios „Honig ums Maul“ schmieren wollte, sondern um die Tatsache, dass viele Rezepte bei der AOK abzurechnen waren… Wenn man davon ausgeht, dass seit 2009 bis 2014 die Umsätze um 39 % gestiegen sind, lässt dies auch viele falschen Schlüsse zur finanziellen Situation von Physios zu. Hier darf natürlich nichts vermischt werden – Viel mehr Physios auf dem deutschen Markt teilen sich nach wie vor den minimal angewachsenen Kuchen… Die Zahl der selbständigen Physios ist aufgrund der schlechten Gehaltsstruktur in der vergangenen Zeit auch notgedrungen stark gestiegen. Viele suchen ihr Heil in der Möglichkeit einer eigenen Praxis mit Einnahmen und Ausgaben in überschaubarem Rahmen trotz Risiko. Also schauen wir noch mal zur AOK – gut, dass sie gesehen hat, dass die Patienten die Arbeit sehr wohl einschätzen können. Vielleicht sieht sie ja jetzt noch viel mehr Potential in ihren Einsparmöglichkeiten Physio vs. Operation. Hier gibt es ein riesiges Potential – und die AOK weiß das genau. Versorgt sie die HA mit ein bisschen mehr Budget, da wären Einsparungen im ganz großen Rahmen möglich. Also, gebt den Physios etwas mehr, d.h. leistungsgerechte Bezahlung und die Sache würde besser laufen als bisher. Physio, fast ohne Nebenwirkungen oder Folgen !!! Das wäre doch etwas AOK!

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Danke für den Beitrag. Zu Ihrer Information: Die Vergütungen der Physiotherapeuten in Sachsen und Thüringen steigen zum 1. Juni 2016 um knapp 6 Prozent. Dies stellt eine deutliche Vergütungserhöhung dar und anerkennt die guten Leistungen unserer Vertragspartner.

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6% plus, von was? Von fast nix. Lächerlich! Hier geht es nicht um 6,10 oder 20% hier geht es grundsätzlich um eine Reform, Neustrukturierung der Leistungen von Physiotherapeuten auf heutigem Leistungs – und Lohnniveau!

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6% von 10 Euro Brutto = 0,60 Euro Brutto
6% von 100 Euro Brutto = 6,- Euro Brutto
6% von 1000 Euro Brutto = 60,- Euro Brutto

Vielleicht sollten Sie mal darauf eingehen, was die Basis von den 6 % für Physiotherapeuten ist. Wir liegen im Centbereich bei Erhöhungen und haben dafür noch mehr Büroarbeit. Wir bekommen ja noch nicht mal eine Erstattung für Arztberichte oder Beratungen (so wie es jeder Arzt oder Apotheke erhält).
Physiotherapeuten verdienen ein beschämendes Geld für ihre Dienstleistung und für die geforderten Anforderungen von allen Seiten. Viel Arbeitszeit schlichtweg unbezahlt/kostenlos/unentgeltlich und das seit vielen Jahren, Tendenz immer schlimmer.
In dem Beruf des Physiotherapeuten stimmt nichts aber auch gar nichts. Es ist nur noch eine Schande WIE wenig Physiotherapeuten verdienen und dabei zu beachten unter welchen ausgesprochen schlechten Arbeitsbedingungen und Vertragsbedingungen sie arbeiten müssen!
Ich verstehe überhaupt nicht, warum sich immer noch Leute in diesen Beruf ausbilden lassen. Ich kann den Beruf nicht empfehlen, das einzige was sicher ist, ist Armut trotz Arbeit. Achtung: Werbung für den Beruf ist nur schildernd, aber in keiner Weise realistisch.

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