Neue Ärzte braucht das Land

Die Herausforderung

Nicht nur, aber auch in Thüringen findet man in der hausärztlichen Versorgung eine Situation vor, die von einem hohen Durchschnittsalter (55 Jahre) der Hausärzte gekennzeichnet ist. Dazu kommen ein steigender Anteil an Ärzten in Teilzeit, sinkende Absolventenzahlen und ein höherer Versorgungsbedarf durch demografische Veränderungen. Die Nachbesetzungsquote bei Thüringer Hausarztpraxen beträgt lediglich rund 70%, so dass es derzeit noch 56 offene Hausarztstellen gibt.

Um das Problem zu lösen, gründeten der Freistaat und die Kassenärztliche Vereinigung schon 2009 die Stiftung zur Förderung der ambulanten Versorgung. Die Ziele der Stiftung in Kurzform:

  • Förderung der ambulanten Versorgung in Thüringen
  • Vergabe des Thüringen-Stipendiums an Ärzte in Weiterbildung
  • Anstellung von Ärzten in Stiftungs-Praxen
  • Unterstützung von Famulaturen in Arztpraxen
  • Unterstützung der Niederlassung in ländlichen Regionen

AOK PLUS-Vorstand Rainer Striebel übergibt 100.000 Euro an die Stiftungsvorsitzende Annette Rommel.

Die Erfolgsgeschichte

Die Stiftung hat in Thüringen schon 50 neue Hausärzte und einen Augenarzt hervorgebracht. Sie hat vier Ärzten über eine Stiftungspraxis den Weg in die eigene Niederlassung geebnet, bei drei weiteren ist sie noch dabei. Sie hat noch rund 150 Thüringen-Stipendiaten in petto, die sich in den nächsten Jahren in Thüringen niederlassen. Mehr als 300 Medizinstudenten interessieren sich über die Förderung ihrer Famulatur und des praktischen  Jahres für die Arbeit in Thüringen.

Die großen Unterstützer

Das alles geht nur mit vielen guten Ideen, guten Partnern und, nun ja, mit Geld. Direkt nach dem größten Geldgeber, der KV Thüringen, hat sich die AOK PLUS inzwischen bereits zum vierten Mal eingebracht und nun insgesamt 400.000€ beigetragen. Dr. med. Annette Rommel freut sich in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Stiftungsbeirates, dass mit der AOK PLUS ein starker Partner an ihrer Seite steht, der mit ihr gemeinsam an die Zukunft der ambulanten ärztlichen Versorgung in Thüringen denkt und die Aktivitäten finanziell unterstützt. Dazu AOK PLUS-Vorstandschef Rainer Striebel:

Die Stiftung und wir haben das gleiche Ziel, nämlich eine zukunftssichere ärztliche Versorgung im Freistaat zu organisieren. Unsere finanziellen Förderungen hatten Erfolg und ich bin nach wie vor überzeugt davon, dass dieses Geld gut investiert ist.

von AOK PLUS Vorstandsvorsitzender Rainer Striebel

Weitere Informationen:

Pressemitteilung der AOK PLUS

Stiftungs-Homepage

Freie Arztstellen in Thüringen

Gute Sache für Thüringen. Ich hoffe es gibt auch noch mehr Augenärzte. Wieso machen da eigentlich nicht alle Krankenkassen mit? Da waere das Geld viel sinnvoller verwendet als für so manch andere Dinge.

Antworten

Hallo Thorsten, vielen Dank! Ein neuer Augenarzt ist übrigens auch schon dabei. Über mehr Beteiligung der anderen Kassen wäre die Stiftung natürlich froh – das Geld ist, wie Herr Striebel schon gesagt hat, gut investiert. Die Versicherten der anderen Kassen profitieren ja auch davon. Leider stellen die anderen Kassen sich hier tot.

Antworten

Wir sind wirklich sehr erfreut über diesen positiven und durchaus großzügigen Beitrag von Seiten der AOK Plus. Wir können mit dem heutigen Tag verkünden, dass wir bereits erneut eine Stiftungs-Praxis aus der „Niederlassungsfahrschule“ in die Eigenständigkeit entlassen konnten.
Dank der AOK Plus werden wir auch Zukunft Ärzte nachhaltig für Thüringen gewinnen können.
Herzlichen Dank dafür!

Antworten

Hallo Frau Görnhardt, besten Dank! Ist ja toll, dass es so gut funktioniert und die Thüringer sich über eine neue Arztpraxis freuen können!

Antworten

Unter den gegebenen Rahmenbedingungen sind die Fördermaßnahmen der Stiftung ein sehr guter Ansatz, wie ich finde. Die Maßnahmen wirken ganz offensichtlich und sind auch plausibel, indem sie den Zugang zu den ärztlichen Aufgaben im ländlich geprägten (wirklich schönen) Thüringen unkomplizierter machen. Je niedriger die Schwelle und je einladender das Angebot, desto mehr Ärzte. Schön, dass die AOK als Krankenkasse die Vorhaben fördert; die Krankenkassen sind zumindest aus Sicht der Versicherten auch (mit) verantwortlich für die Qualität und Verfügbarkeit der Gesundheitsversorgung.

Allerdings scheint es mir ein wenig wie die Behandlung von Symptomen, wenn man zusätzliche Anreize für die Ärzte schaffen muss, damit sie sich auf dem Land und nicht nur in den Großstädten niederlassen. Nach den mir bekannten Untersuchungen dazu gibt es sowohl persönliche Motivatoren (Wunsch der Ärzte, in urbanen Gegenden zu leben) als auch monetäre (die Vermutung, in Städten mehr Patienten zu finden bzw. eine höhere Spezialisierung im Tätigkeitsfeld zu finden).

Maßnahmen, die an diesem Punkt ansetzen, wären meines Erachtens darüber hinaus sinnvoll. Zum Beispiel gehört dazu, dass es für Ärzte auch attraktiv sein muss, allgemein (und nicht spezialisiert) tätitg zu sein. Dass es die Sicherheit gibt, in Relation zum Ausgabenniveau ein adäquates Einnahmenniveau auch in ländlichen Gebieten in Thüringen zu erreichen. Und natürlich gehört dazu auch die Vereinfachung des Zugangs zu notwendiger Infrastruktur, die schon beim Internetzugang beginnt.

Das ist nicht als Kritik an der Arbeit der Stiftung zu verstehen, sondern als ergänzende (und erst mittelfristig bis langfristig wirksame) Maßnahme.

Ich bin auch gespannt, wie sich unter dem Lichte der neuen Möglichkeiten für Telemedizin die ambulante ärztliche Tätigkeit verändern kann; auch die erweiterten Möglichkeiten des Gesetzgebers könnten die Attraktivität von Praxen außerhalb der großen Städte durchaus steigern.

Antworten

Danke für den interessanten Kommentar! Ideal wäre es in der Tat, wenn solche Steuerungsaktivitäten gar nicht nötig wären, weil die Mediziner sich quasi ganz von selbst öfter für die Arbeit als Allgemeinmediziner/Hausarzt entscheiden und sich dann auch noch auf dem Land niederlassen würden. Auch die Telemedizin wird in Zukunft sicherlich einiges erleichtern – wir als AOK PLUS stehen neuen Ansätzen positiv gegenüber, sie müssen halt Verbesserungen für die Versicherten bringen. Videosprechstunden als Unterstützung der ärztlichen Behandlung (nicht als deren Ersatz) können auf jeden Fall hilfreich sein. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die verbindliche Festlegung auf technische Standards, damit nicht viele Insellösungen entstehen.

Antworten

Dieser Ansatz ist ein essenzieller Beitrag zur Lösung des demografischen Problems nicht nur in Thüringen. Medizinische Infrastruktur ist neben Verkehr, Breitband und Handel m:E. ein Schlüsselfaktor, um die Abwanderung aus dem ländlichen Raum zu begrenzen.
Ich denke, die AOK sollte mit dem Modell auch auf die wohnungswirtschaftlichen Verbände zugehen – und überhaupt mit allen Beteiligten auf ein konzertiertes Vorgehen drängen.

Antworten

Danke für den interessanten Kommentar! Mehr Verbündete für die gute Sache zu finden, ist eine natürlich tolle Idee – ich werte das als Gesprächsangebot und freue mich auf unseren Austausch, meine E-Mailadresse ist hier im Blog zu finden.

Antworten

Sehr guter Ansatz! Es gibt verschiedene Prognosen für die nächsten Jahrzehnte bezüglich der ärztlichen Versorgung, alle sind sich jedoch einig, dass der Versorgungsbedarf aufgrund steigender Bevölkerungszahlen größer wird. Gerade in ländlichen Regionen wird sich deshalb der Ärztemangel immer deutlicher zeigen. Im Vergleich zum Nord- oder Südosten Deutschlands ist Thüringen hier noch gut bedient, in Mecklenburg-Vorpommern gibt es so viele Regionen abseits von Ballungsräumen, dass es besonders dort eng werden könnte. Man kann daher nur hoffen, dass dieses Projekt auch in anderen Bundesländern Anklang findet. Und um mich meinem Vorredner anzuschließen: es muss für Ärzte wieder reizvoll sein, auf dem Land zu arbeiten. Hier ist aber auch die Politik gefragt, wenn man beispielsweise an die entsprechende Infrastruktur denkt, die schon genug Ärzte davon abhalten, dort tätig zu sein…

Antworten

Vielen Dank für den interessanten Kommentar. Infrastruktur ist natürlich ein wichtiges Stichwort – neben der ärztlichen Versorgung gehören auch gute Verkehrsanbindung, schnelles Internet, Kitas, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen (Kultur, Freizeit, etc.) zu den Pluspunkten für eine Region, in der ich mich niederlassen würde.

Antworten

… und wie kommt man als Medizinstudent in den Genuss der Förderung aus diesen Stiftungsgeldern ?????

Antworten

Hallo Studi, danke für die berechtigte Frage. Ich empfehle, diese Frage direkt an die Stiftung zu richten. Beim Termin zur Übergabe der 100.000 € an die Stiftung in Weimar habe ich Frau Antje Görnhardt kennengelernt – sie ist Mitarbeiterin der Stiftung und kann diese und weitere Fragen zum konkreten Ablauf sicher individuell beantworten. Ihre Mail-Adresse lautet: info@savth.de

Antworten

Diskutieren Sie mit

Schreiben Sie uns Ihre Meinung. Wir freuen uns auf interessante Gespräche und Diskussionen.
Wir behalten uns vor Kommentare zu löschen, die nicht unserer Netiquette entsprechen.

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.

Schließen Newsletter-Anmeldung