Das Leben ist eine Baustelle

Der Wegweiser zum Haupteingang des Städtischen Klinikums Görlitz klebt als Computerausdruck am Bauzaun. Dahinter sind die Eisenflechter zugange. Am nächsten Tag soll der Beton für die Erdgeschoßdecke kommen. In dem Neubau, der für 30 Millionen Euro gerade entsteht, wird nach jetzigen Planungen ab 2020 auch die Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung ihren Platz finden.

Zentraler Anlaufpunkt für Patienten

Heute, am 10. Juli 2018 wird mit Sekt und frohen Grußworten aber erst mal deren offizielle Eröffnung im Hauptgebäude des Klinikums gefeiert. Und das ist durchaus kein Provisorium. Die Patientenaufnahme findet der suchende Patient direkt im Foyer. Die Behandlungsräume sind ein paar Schritte weiter im Erdgeschoss.

Der Eingang zur Portalpraxis

Die Nachbarschaft ist gut: auf demselben Flur, gleich um die Ecke ist die Notaufnahme, die wie jede andere in diesem Land oft genug an den Rand ihrer Kapazitäten kommt, weil sich bisher Notärzte um Halsschmerzen und Zeckenbisse zu kümmern hatten, während sie doch eigentlich für Herzinfarkte oder Unfallopfer da sind.

Der richtige Gedanke, dass es in sprechstundenfreien Zeiten einen zentralen Anlaufpunkt für Patienten geben müsste, deren Hausarzt gerade nicht erreichbar ist, die aber keine medizinischen Notfälle sind, wurde jetzt hier in Görlitz wie an vier anderen Orten in Sachsen greif- und nutzbare Wirklichkeit.

Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung überwinden

In Annaberg, Delitzsch, Eilenburg und Zschopau gibt es seit Anfang Juli unter den Dächern der Krankenhäuser vor Ort dieses neue Versorgungsangebot.

Und eben in Görlitz. Niedergelassene Ärzte und Krankenhausärzte koexistieren in unmittelbarer Nähe, überwinden ganz praktisch und unkompliziert Sektorengrenzen.

Die Notaufnahme

Der Empfang der Patienten, die unangemeldet im tatsächlichen oder subjektiv empfundenen Notfall einen Arzt aufsuchen, findet zwar im Foyer des Görlitzer Klinikums noch nicht an einem Tresen statt, aber doch räumlich dicht beieinander.

Und die ersten Tage haben gezeigt: „Am jeweiligen Empfang wird schnell sortiert, wer sinnvollerweise wohin gehört“, wie Dr. med. Leonhard Großmann dem Reporter von Radio Lausitz ins Mikrofon sagt.

Und wenn sich bei der Diagnose in der Bereitschaftspraxis herausgestellt habe, dass der Fall doch komplizierter und bedrohlicher sei als zunächst angenommen, sei der Patient natürlich sofort den Krankenhausärzten zugeführt worden.

Niesky als Vorbild

Als „zarte Aufweichung der Sektorengrenzen“, bezeichnete das Wolfgang Karger von der AOK PLUS, der als Geschäftsbereichsleiter Ärzte die fünf Pilotprojekte in Sachsen mit auf den Weg gebracht hat.

Wolfgang Karger (M.)

Er erinnerte in seinem freundlichen Grußwort die Gäste der Eröffnungsfeier auch daran, dass dieser jetzige Schritt „kein Sprung ins ganz kalte Wasser gewesen“ sei, da es ja mit der Portalpraxis am Krankenhaus Niesky schon seit anderthalb Jahren quasi einen Praxistest gegeben habe.

Der war im Rahmen des von der AOK PLUS initiierten Projekts „Ländliches Krankenhaus“ im Januar 2017 gestartet und hat sich dort inzwischen etabliert als fester Bestandteil medizinischer Versorgung.

Sehr gut dass das hier im Osten von Sachsen gemacht wird. Die Angst vor Ärztemangel ist hier groß besonders bei den älteren Menschen. Hoffentlich brauche ich dir Praxis und die Notaufnahme nie, aber gut dass sie da ist.

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