Rauchen abgewöhnen – aber wie?

„Die letzten Jahre als Raucher wurde ich nachts mehrfach völlig grundlos wach, musste vor die Haustür, um zu rauchen. Während meines rund 20 Kilometer langen Arbeitsweges mit dem Auto rauchte ich drei bis vier Zigaretten pro Tour. Raucherpausen bedeuteten immer zwei bis drei Zigaretten. Nichtrauchergaststätten, Konzert- oder Kinobesuche waren mir ein Graus. Meine Freizeit verbrachte ich möglichst häufig im Freien, mit meinen Söhnen am Fußballplatz und beim Angeln, beim Heimwerkern am Haus und im Garten. Ich hatte einfach immer nur draußen zu tun“, erinnert sich Carsten Schwarz an die Zeit „davor“. Erst die Teilnahme an dem Modellprojekt hätte ihm die Augen geöffnet und das wahre Gesicht seiner Sucht gezeigt.

Ob Professor Mühlig eigentlich selbst daran geglaubt hat, dass ich das schaffen würde? Letztendlich war ich der Starkraucher im Kurs.

von Carsten Schwarz

Schwarz lobt das Programm in den höchsten Tönen. In einem ersten individuellen Beratungsgespräch mit dem Projektleiter Prof. Mühlig von der TU Chemnitz ging es u.a. um die Motivation zum Aufhören und die Anlässe für den Griff zur Zigarette. Hinzu kam ein Atemtest. „Die Ergebnisse waren erschreckend“, so Schwarz.

Carsten Schwarz nahm am Programm „Rauchfrei durchatmen“ teil und hat mit dem Rauchen Schluss gemacht.

Doch nicht nur Carsten Schwarz hat sich mit Hilfe des Programms „Rauchfrei durchatmen“ das Qualmen abgewöhnt. Das belegt die ATEMM-Studie* zur strukturierten Tabakentwöhnung, die in Kooperation der AOK PLUS, der TU Chemnitz und der Berufsverbände der Pneumologen in Sachsen und Thüringen durchgeführt wurde. Das Programm „Rauchfrei durchatmen“ war Kernstück der Studie, in dessen Rahmen in Deutschland erstmals eine evidenzbasierte und leitliniengerechte Tabakentwöhnungsbehandlung von der AOK PLUS vollumfänglich finanziert wurde.

„Rauchfrei durchatmen“ wurde von 2013 bis Anfang 2018 in pneumologischen Facharztpraxen und bei Psychotherapeuten in Sachsen und Thüringen durchgeführt. Für die Teilnehmer standen nach einem ersten Arztgespräch mit Einschreibung jeweils ein Gruppenkurs mit drei Terminen – verteilt auf zwei bis drei Monate – und wenige Wochen danach ein zweites Arztgespräch auf dem Programm.

Zwölf Monate lang wurden die Teilnehmer regelmäßig telefonisch durch Psychologen nachbetreut. Danach folgte ein drittes Arztgespräch. Im Rahmen des Modellprojektes übernahm die AOK PLUS zudem die Kosten für Medikamente zur Tabakentwöhnung. In Einzelfällen konnte zusätzlich eine psychotherapeutische Begleitung in Anspruch genommen werden.

Fast die Hälfte nun stabil rauchfrei

Die Studie untersuchte mit objektiven Messungen und methodisch strengen Erfolgskriterien die Abstinenzrate der Teilnehmer direkt nach dem Kurs sowie zwölf Monate später im Vergleich zur Standardbehandlung, die nur ärztlichen Rat zum Rauchstopp plus Informationen zu vorhandenen Tabakentwöhnungsanbietern in der Region umfasst.

Ein Jahr nach Kursende war fast die Hälfte der Teilnehmer in der Studiengruppe stabil rauchfrei, verglichen mit jedem Zehnten in der Vergleichsgruppe. „Ein klares Argument dafür, dass verhaltenstherapeutische Tabakentwöhnung einschließlich der Medikamente in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören, wenn es um die Behandlung dieser Patienten geht“, fordert Studienleiter Prof. Mühlig. Denn bisher fallen diese Medikamente wie Haarwuchs- oder Potenzmittel nach § 34 des Sozial­gesetzbuchs V in den Bereich „Life­style“ und sind nicht erstattungsfähig. Tabakabhängigkeit wird quasi nicht als Suchterkrankung anerkannt. Damit kann Tabakentwöhnung bisher nicht als Behandlungsleistung angeboten und abgerechnet werden, sondern lediglich als Präventionsangebot.

Rauchen ist mit Abstand der wichtigste Risikofaktor für schwere Erkrankungen und vorzeitigen Tod.

von Rainer Striebel, Vorstandschef der AOK PLUS

„Mit dem Rauchen aufzuhören, ist für Betroffene nicht einfach. Als Gesundheitskasse möchten wir sie dabei gern unterstützen und wären deshalb bereit, für diese Versicherten künftig die Kosten für das Programm und die Medikamente zu übernehmen. Die Kosten für das Programm ‚Rauchfrei durchatmen‘ sind Peanuts im Vergleich zu den Kosten, die durch Folgeerkrankungen des Rauchens entstehen können.“

Tabakentwöhnung gilt als eine der erfolgreichsten medizinischen Maßnahmen überhaupt zur Verbesserung der Gesundheit und zur Einsparung von Krankheitskosten. Am besten funktioniert sie mit Verhaltenstherapie und Medikamenten und längerfristiger telefonischer Begleitung.

Für Carsten Schwarz war die zwölfmonatige Nachbetreuung durch die Raucherambulanz der TU Chemnitz extrem wichtig. „Ich habe mir dort mehrmals Hilfe geholt, per Telefon oder per Mail.“ Wichtig seien für ihn auch der Austausch mit anderen Kursteilnehmern sowie die verordneten Medikamente gewesen.

Über die ATEMM-Studie sprachen wir mit Stephan Mühlig, Professor für Klinische Psychologie der TU Chemnitz:

* AOK PLUS-Studie zur strukturierten Tabak-Entwöhnung durch pneumologische Facharztpraxen und Psychotherapeuten in Sachsen und Thüringen mit Minimal-Intervention vs. Maximal-Intervention.

Das wäre doch mal sinnvoll eingesetztes Beitragsgeld.

Antworten

Ganz tolle Ergebnisse die zeigen, dass und wie es funktionieren kann, mit dem Rauchen aufzuhören! Wo bleiben weitere Mitmacher?!
Heiko Kotte

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Ich war auch in der 1. Gruppe zusammen mit Carsten dabei und bin seit 11.10.2013 rauchfrei. Juhu!!
Es tut gut wieder ohne Husten tief durchatmen zu können und deutlich fitter und leistungsfähiger zu sein.
Jeder Raucher sollte sich einen Ruck geben und den ersten Schritt machen, egal wann im Jahr. Es lohnt sich!!

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Da würde ich gerne mitmachen um endlich das rauchen aufzugeben.

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Liebe Karin Dittmar, inzwischen gibt es einen aktuellen Beitrag zum Thema „Rauchen abgewöhnen“. Dort ist auch beschrieben, wie es funktioniert und wer teilnehmen kann: hier Viel Erfolg!

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