So soll die Pflege attraktiver werden

Ich kann sehr froh sein, dass es in meinem familiären Umfeld (noch) kein Thema ist und niemand auf ständige Pflege, sei es durch Angehörige oder durch entsprechendes Pflegepersonal, angewiesen ist. Doch was ist mit all den anderen knapp 270.000 Menschen in Sachsen und Thüringen, die nicht in der glücklichen Situation sind, keine Pflege in Anspruch nehmen zu müssen?

Regierung will Arbeitssituation „spürbar verbessern“

Verbesserungen im Pflege-System, vor allem im Hinblick auf die Arbeitssituation und damit einhergehend auf die Versorgung der Pflegebedürftigen, soll das „Sofortprogramm Kranken- und Altenpflege“ versprechen. Am 23. Mai stellte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zunächst ein fünfseitiges „Eckpunktepapier“ vor, das nun in Form des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes (PpSG) Konturen annimmt. Zum 1. Januar 2019 soll das Gesetz in Kraft treten. Die zentralen Eckpunkte sind folgende:

Ambulante Pflege fördern

Die geplanten Maßnahmen zielen vorrangig auf die Krankenpflege sowie Altenpflege in stationären Einrichtungen ab. Die ambulante Pflege findet kaum Berücksichtigung. Dabei sollten Ansätze der Politik auch in diese Richtung gehen, schließlich werden mehr als zwei Drittel der Pflegebedürftigen in Sachen und Thüringen zu Hause betreut. In Sachsen sind es aktuell rund 118.000, in Thüringen 70.000 Menschen. Und die Prognosen zeigen einen kontinuierlichen Anstieg. 2030 werden beide Bundesländer voraussichtlich insgesamt 306.000 Pflegebedürftige verzeichnen.

Fachkräfte und Pflegende stärken

Um diesen Bedarf adäquat abzudecken, wird es neben den derzeit 92.000 Beschäftigten in der Altenpflege ca. 24.000 zusätzliche Personalstellen geben müssen. Die Konsequenz: Pflegeberufe müssen attraktiver werden, damit sich mehr Menschen dafür entscheiden. Das heißt nicht nur, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, sondern auch finanzielle Anreize zu bieten. Ein erster Ansatz ist, die Vergütung der Pflegeberufe in Sachsen und Thüringen an den bundesweiten Durchschnitt anzugleichen. Damit bleiben uns die Fachkräfte in den hiesigen Regionen erhalten und pendeln nicht, wie bisher so oft, in die benachbarten Bundesländer.

Wir wollen Pflege weiter denken und etwas ändern.

von Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS

Dabei darf nicht vergessen werden, dass ca. 75 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause durch Angehörige betreut werden – ohne diese würde das System nicht funktionieren. Sie sind nicht das „fünfte Rad“, sondern die „Achse“ der Pflege. Deshalb müssen Hürden abgebaut und Prozesse vereinfacht werden. Es geht darum, niedrigschwellige und ehrenamtliche Strukturen auszubauen.

Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS, ist sich darüber hinaus sicher: „Wir brauchen sinnvolle Versorgungsstrukturen, die auf die jeweiligen Besonderheiten und Herausforderungen der einzelnen Regionen – egal ob Stadt oder Land – zugeschnitten sind. Deshalb sind wir für regionale Lösungen und setzen uns dafür ein, dass die Pflege zu Hause gestärkt und wertgeschätzt wird. Auch die Infrastruktur in den Kommunen muss sich verstärkt auf die älter werdende Bevölkerung einstellen, dabei spielen ebenso digitale Angebote eine Rolle.“

Mehr Maßnahmen = mehr Ausgaben

Fakt ist, mit dem Inkrafttreten des Gesetzes kommen allein von 2019 bis Ende 2021 rund 4,4 Milliarden Euro an Mehrausgaben auf die Gesetzliche Krankenversicherung zu. Für den gleichen Zeitraum gibt das Ministerium die Mehrkosten für die Pflegeversicherung mit 770 Millionen Euro an. Eine stolze Summe. Da bleibt am Ende nur zu hoffen, dass diese auch wirklich den Pflegebedürftigen zu Gute kommt.

Die Aussagen sind generell richtig und wichtig. Was sich konkret hinter der Pflege verbirgt können nur die Pflegepersonen (ob erwerbsmäßig oder privat) einschätzen. Wichtig ist das Zusammenspiel im ländlichen Rauch mit allen öffentlichen Einrichtungen(Gemeinde, ÖPNV,Institutionen, Einrichtungen sozial generell, kirchlich etc.) Hier ist viel Handlungssspielraum vorhanden der gebündelt werden muß. In Städten funktioniert das schon besser durch die Anzahl der Pflegeeinrichtungen, die schon viel mit den städtischen Einrichtungen zusammenarbeiten auch die Infrastruktur ist dort besser auf die Pflege venetzt.
Natürlich ist die angemessene Bezahlung der erwerbsmäßig tätigen Pflegekräfte wichtig, auch der Sozialschlüssel in den Einrichtungen der Pflege und KH und auch die Entlastung der PP privat sowie die Anerkennung hierfür. Ist es vielleicht auch möglich darüber nachzudenken, daß man generell Pflegepersonen sowohl privat als auch erwerbsmäßig mit einem geringeren Prozentsatz bei der Pflegeversicherung /Krankenversicherung entlastet? Vielleicht sollte man darüber nachdenken, als Anreiz.

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