Streitgespräch: Pokemon Go oder Pokemon No?

Alexander Fugmann
Ich laufe durch Leipzig und mein Akku glüht – seit ungefähr 5 Minuten läuft Pokemon Go auf meinem Smartphone. Auf der Suche nach neuen Monstern, neuen Pokéstops in Leipzig-Lindenau habe ich ein paar Umwege eingelegt. Nur noch einmal um die Ecke. Nur noch fünf Minuten, Mutti! Der Spieltrieb lässt mich immer weiter suchen. Pokemon Go bewegt mich.

Alexander FugmannDie Neuauflage des Spieleklassikers aus den 90ern ist wie eine moderne Form der Schnitzeljagd. Es verlagert das Computerspielen in die reale Welt. Das finde ich genial. Was ich erlebt habe, könnte auch dem ein oder anderen Smartphone-affinen Bewegungsmuffel widerfahren. Denn Pokémon Go hat das Zeug dazu, durch seinen spielerischen Ansatz einige Couch-Potatos gleichwohl zu mehr Bewegung zu motivieren.

Denn wer in diesem Spiel wirklich vorankommen will, muss vor die Tür und laufen. Um die kleinen Monster groß zu ziehen, sind nämlich Fußmärsche von zwei, fünf und zehn Kilometern notwendig.

So werden aus Dauersitzern hyperaktive Ausdauersportler.

von Alexander Fugmann

Und bei all dieser Bewegung kommt auch so mancher Smartphone-Akku aus der Puste. Nach drei Stunden intensiven Pokemon suchen und fangen, ist nämlich der Saft aus. Zeit, mal über den Smartphonerand zu blicken und ganz nebenbei seine Nachbarschaft zu entdecken.

Natürlich wird dieser Pokemon-Hype nicht lange anhalten. Doch das Prinzip dahinter ist einfach innovativ und könnte einer ganzen Generation neue Impulse geben, ohne erhobenen Zeigefinger und eine Standpauke der Eltern.


 

Hannelore Strobel
Hannelore StrobelEin Computerspiel, das den bedrohlichen Bewegungsmangel der „heutigen Jugend“ kompensiert. Wow. Alle Kinderärzte, Orthopäden, Lehrer und besorgten Eltern werden beruhigt sein. Oder?

Die Leiterin einer Kita in der Nähe von Bautzen, in der die AOK PLUS gestern ein auf drei Jahre angelegtes Programm zur Gesundheitserziehung der Jüngsten gestartet hat, erzählte, dass man mit Fünfjährigen vor zwanzig Jahren noch richtig wandern gehen konnte. „Heute schaffen sie es gerade noch so bis zum Dorfteich. Der ist 400 Meter vom Kindergarten entfernt.“ Ob dagegen Pokemon Go hilft? Da fehlt mir der Glaube.

Mal ganz abgesehen von all den Meldungen über Unfälle, die Pokemon-Go-Spieler in den letzten Tagen durch die ausschließliche Fokussierung auf ihr Smartphone im Straßenverkehr schon erlitten oder ausgelöst haben, auch abgesehen von der Taktlosigkeit der Spielerfinder, Gedenkstätten und Friedhöfe mit ihren virtuellen Monstern zu bevölkern und ebenfalls abgesehen von dem Stress, den lautstarke nächtliche Gruppen-Spielstreifzüge in Wohngebieten schon ausgelöst haben.

Lust auf Bewegung machen meiner Meinung nach Menschen.

von Hannelore Strobel

Eltern, die im Ostseeurlaub nicht nur am Strand rumliegen, Großeltern, die Abenteuerwanderungen mit Enkeln und deren Freunden und Karte und Kompass machen, Lehrer, die im Sportunterricht nicht nur mit der Trillerpfeife am Schulhofrand stehen, Ehrenamtler, die über Jahre hinweg die E-Jugend von Fußballvereinen leiten, Krankenkassen, die in Prävention investieren.
Unspektakuläre Dinge. Erzeugen keinen Hype. Verbrennen aber nicht nur Kalorien, sondern erzeugen möglicherweise langanhaltende Begeisterung.

Auch Twitter streitet über Sinn und Unsinn von #PokemonGO:

Ob die Rechnung der Befürworter aufgeht, bleibt abzuwarten: Habe am Wochenende einen etwas kräftigeren Jungen gesehen, der sich von Papa im Benz und im Schritttempo von Pokè-Stop zu Pokè-Stop kutschieren ließ 😉

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Einige finden halt immer Schlupflöcher…

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Nur eine Anmerkung zum Spiel an sich: mir sind Menschen, die durch die Gegend laufen und dabei nach virtuellen farbigen ‚Monstern‘ suchen durchaus lieber, als jene, die in ‚ego-shooter‘ Spielen virtuelle Gegner auf möglichst brutale Weise wegknallen. Gegenüber dem was so gerade Standard ist in der Videospielerwelt erscheint das Pokémon Game ja geradezu kindlich naiv und harmlos. Aber was machen die Pokemon-Jäger dann alle im Winter?

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Das Spiel bringt Menschen zusammen und in Bewegung. Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft lernt viele neue und interessante Punkte kennen, an denen bisher achtlos vorbeigelaufen wurde. Spiele dieser Art bergen auch ein Suchtpotential und jeder sollte die Spieldauer und auch den Ort bewusst wählen. Es macht jedoch auf Spaß und fördert die Bewegung.
Im Winter sind sicher viele Spieler nicht mehr so oft in Bewegung.

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Ob man bei Pokemon Go wirklich mit „offenen Augen“ durch die Stadt läuft, bezweifele ich, da man doch bei diesem Spiel mehr auf sein Smartphone fokussiert ist, als auf seine Umgebung.
Hier wird eher achtlos an allem vorbeigelaufen, bis man das Pokemon erreicht und gefangen hat.

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Pokemon Go scheint die kindliche Version des Geocachings zu sein. mit dem Unterschied, dass man beim Geocaching bewusster auf die Umgebung schaut und nicht in sein Smartphone vertieft ist.

andererseits wird es immer Spiele, Hypes, Trends etc. geben, die Befürworter und „Gegner“ haben.
Jeder sollte ohne Probleme seinem Hobby nachgehen und anderen ihre Hobbies lassen, auch wenn es einen selber nicht interessiert.

Das größte Problem bei Pokemon Go ist die Sicherheit der Spieler und unfreiwillig Beteiligter (z.B. Passanten, Autofahrer etc.).
Das Risiko von Unfällen sollte möglichst gering gehalten werden. Aber hier sind auch die Nutzer in der Pflicht. Eltern sollten dafür sorgen, dass die Kinder dafür sensibilisiert werden, nicht „Pokemon-blind“ durch die Gegend zu laufen.

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Das gilt ja für alle Onlinemedien: So wie wir unsere Kinder fit für den Straßenverkehr machen, müssen wir sie auch für die Onlinewelt aufklären! Hier sind Facebook, Blogs und Onlinespiele inbegriffen. Ordentlich aufgeklärt, ist PokemonGo doch ein Spaß für die ganze Familie…

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sicher gilt das für alle anderen Online-Medien auch. Wollte das mit meinem Kommentar nicht ausschließen, aber es geht hier ja explizit um Pokemon Go.

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