Thüringer Männer sind die größten Vorsorgemuffel

„Andere fliegen zum Mond, wir wollen den Krebs besiegen“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zum Auftakt der Dekade. Nun, zum Mond ist es ganz schön weit, der Sieg gegen Krebs beginnt aber oft schon beim Haus- oder Facharzt des Vertrauens. Dann nämlich, wenn man die empfohlenen Vorsorge­untersuchungen in Anspruch nimmt, die helfen sollen, Krebs frühzeitig zu erkennen und zu heilen.

Die überwiegende Mehrheit der Bürger weiß einer Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge, dass es solche Früherkennungsuntersuchungen gibt. Aber nur ein Bruchteil geht hin. Ich habe mir die Zahlen für Sachsen und Thüringen angeschaut. Ergebnis: Besonders große Vorsorge-Muffel sind Männer.

Beispiel Darmkrebsvorsorge

Gesetzlich Versicherte ab 50 Jahren haben jährlich Anspruch auf einen Stuhl-Blut-Test. Dabei wird nach versteckten Blutbeimengungen gesucht, die ein Hinweis auf Darmkrebs sein können. Ab einem Alter von 55 Jahren kann dieser Test noch alle zwei Jahre in Anspruch genommen werden, wenn die dann empfohlene Koloskopie (Darmspiegelung) nicht gewünscht wird.

Die Auswertung unserer Daten ergab, dass im Jahr 2017 nur 6,8 Prozent der bei der AOK PLUS ver­si­cherten Thüringer Männer über 50 Jahre den gesetzlich empfohlenen Stuhltest zur Darmkrebs­früh­erkennung machen ließen. Im Jahr 2013 waren es noch 7,7 Prozent gewesen. Auch bei den der AOK PLUS-versicherten Thüringerinnen über 50 Jahre sank die Teilnehmerzahl – wenn auch auf einem höheren Niveau – von 12,7 Prozent (2013) auf 12,2 Prozent (2017).

Damit sind die Thüringer und Thüringerinnen leider noch fauler in Sachen Vorsorge als die Sachsen. Dort sank unter den AOK PLUS-versicherten Männern über 50 Jahren der Anteil derer, die turnusmäßig am Stuhltest teilnahmen, zwischen 2013 und 2017 von 8,1 Prozent auf 7,5 Prozent. Bei den Frauen sank der Anteil im selben Zeitraum leicht von 14,5 Prozent auf 14,4 Prozent.

Zum Vergleich: Das Robert-Koch-Institut gibt den Bundesdurchschnitt für Männer mit über 40, für Frauen sogar mit über 50 Prozent an. Das ist alarmierend.Krebs-Früherkennungsuntersuchungen gehören zum Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen, sind damit kostenfrei und retten Leben. Woran liegt es also, dass so wenige Menschen die Vorsorgeangebote nutzen? „Keine Zeit!“ oder „Wie peinlich!“ sind jedenfalls keine guten Ausreden. Eine Stuhlprobe abgeben, die Prostata abtasten lassen oder einen Abstrich vom Gebärmutterhals machen lassen gehört sicher nicht zu den angenehmsten Momenten des Lebens, bringt dafür aber viel. Denn Krebs trifft Menschen jeden Alters. Deshalb: Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Vorsorge!

Die AOK PLUS übernimmt für ihre Versicherten die Kosten für zahlreiche Früherkennungsuntersuchungen für häufige auftretende Krebserkrankungen. Der erste Hautcheck kann bereits mit 14 Jahren in Anspruch genommen werden, statt – wie vom Gesetzgeber vorgesehen – erst mit 35 Jahren. Eine komplette Übersicht aller Krebsfrüherkennungsuntersuchungen und wann sie wichtig sind, finden Sie auf plus.aok.de.


Weitere interessante Links:

Informationen rund um Krebsfrüherkennungsuntersuchungen (Deutsches Krebsforschungszentrum DKFZ)

Interview mit Bildungsministerin Anja Karliczek zur Nationalen Dekade gegen Krebs (Süddeutsche Zeitung, 29.1.2019)

Schwerpunkt Männergesundheit im ams-Ratgeber 1/2019 des AOK Medienservice

Mein Freund (26 J.) ist, aufgrund familiärer Vorbelastungen , vor einigen Tagen zur Prostata Krebsvorsorge gegangen und er musste es selber bezahlen!!! Das finde ich unverschämt, man macht das ja schließlich nicht zum Spaß und aus Langeweile!
Wenn so wenige Menschen zur Vorsorge gehen, dann bezahlt denen doch wenigstens alles… genug Geld müsste ja da übrig sein!

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