Regelmäßig vorgesorgt

Sind Atmung und Herzschlag in Ordnung? Liegen Stoffwechseldefekte oder Hormonerkrankungen vor? Kann das Baby gut hören? Kaum auf der Welt, werden Neugeborene bereits gründlich durchgecheckt. Bestehen Defizite, ist die Chance groß, durch medizinische Behandlungen schwerwiegende Folgeschäden zu verhindern.

Je größer die Kinder…

Bis zum Schulbeginn hat jedes Kind Anspruch auf zehn kostenlose medizinische Vorsorgeuntersuchungen. „Die meisten Eltern nutzen diese Angebote, aber je größer die Mädchen und Jungen werden, desto weniger“, bedauert Dr. Jörg Jagemann, Beratungsarzt bei der AOK PLUS.

Nach Schulbeginn klafft dann eine gesetzliche Vorsorgelücke. Die J1 ist erst für 12- bis 15-Jährige vorgesehen. „Die AOK PLUS bietet deshalb in diesem Zeitraum kostenfrei zwei weitere Untersuchungen an: die U10 für 7- bis 8-Jährige und die U11 für 9-bis 10-Jährige“, sagt Jagemann. Doch weniger als die Hälfte der Eltern nutzt diese Extras für ihre Kinder. Und ganz schlecht sieht es bei der zusätzlichen Jugenduntersuchung J2 aus: Nur noch knapp 18 Prozent der AOK-PLUS-versicherten Jugendlichen stellen sich deswegen ihrem Arzt vor.

Erwachsene eher nachlässig

Erwachsene können – zusätzlich zu speziellen Untersuchungen während der Schwangerschaft – zehn verschiedene kostenlose Vorsorgeangebote nutzen. Doch diese werden viel zu wenig in Anspruch genommen. Aus Vergesslichkeit? Dann hilft die offline nutzbare AOK-Vorsorge-App. Sie bietet einen Überblick über alle kostenlosen Vorsorgeleistungen der AOK – inklusive Impfungen und Zahnvorsorge. Wer sich hier ein Familienprofil anlegt, erhält die Infos personalisiert auf einen Blick. Der integrierte Kalender erinnert an bevorstehende Vorsorgetermine.

Vorsorgeuntersuchung sind auch für Erwachsene wichtig

„Vielleicht haben aber auch viele Menschen einfach Angst vor den Untersuchungen oder den Ergebnissen“, so Jagemann. „Doch die Folgen nicht erkannter früher Krankheitssymptome sind weit schwerwiegender.“ Zudem hätten sich die Untersuchungsmethoden in den zurückliegenden Jahren weiter verbessert.

Genauere Ergebnisse

So ist der 2017 eingeführte immunologische Stuhltest zur Darmkrebsvorsorge wesentlich genauer und leichter zu handhaben als der bisherige „Papierstreifen“. Der alte Test hätte auch hin und wieder falschen Alarm ausgelöst, z.B. nach dem Verzehr von halb gebratenem Fleisch, denn er reagierte auf jedes Blut, auch auf tierisches.

Es wäre wichtig, wenn die Ärzte ihren Patienten diese Untersuchung häufiger empfehlen würden.

von Dr. Jörg Jagemann, Beratungsarzt bei der AOK PLUS

Doch die sicherste Methode ist die Darmspiegelung. Sie hat zugleich den Vorteil, dass entdeckte Polypen als mögliche Krebsvorstufen bei der Untersuchung sofort entfernt werden können. Künftig haben Männer im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung bereits ab 50 Jahren Anspruch auf eine Darmspiegelung. Außerdem soll ab Juli 2019 ein Einladungsschreiben an anstehende Termine erinnern.

Check-up 35 künftig zielgenauer

Auch beim Check-up 35 ist die Inanspruchnahme unbefriedigend. Bei der AOK PLUS nutzten ihn 2016/2017 nur 47 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer, die von der AOK PLUS angebotene erweiterte Diabetesvorsorge gar nur 8 bzw. 6 Prozent. „Es wäre wichtig, wenn die Ärzte ihren Patienten diese Untersuchung häufiger empfehlen würden“, so Jagemann.

Künftig gibt es den Check-up 35 nur noch aller drei statt aller zwei Jahre, dafür wurde er inhaltlich aufgewertet. So sollen Ärzte noch stärker gesundheitliche Risiken erfassen und bewerten, um rechtzeitig Erkrankungen vorbeugen zu können. Auch Menschen zwischen 18 und 35 haben dann Anspruch auf die Untersuchung – einmalig in diesem Zeitraum.

Ist der immologische Stuhltest eine Kasselestung oder muss man bezahlen

Antworten

Liebe Carin Starke,
seit April 2017 ist der immunologische Stuhltest eine Kassenleistung. Frauen zwischen 50 und 54 Jahren können den Test seitdem jährlich kostenlos in Anspruch nehmen. Ab 55 Jahren können sie wahlweise aller zwei Jahre den Stuhltest oder im Mindestabstand von zehn Jahren eine Darmspiegelung auf Kassenkosten nutzen.

Wer wann welche Vorsorgeuntersuchungen kostenlos in Anspruch nehmen kann, steht hier.
https://www.kbv.de/media/sp/kbvFlyerVorsorge.pdf

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