„Was der Patient zu Hause macht, ist eine Blackbox“

Wenn die Gelenke nicht mehr tun, was sie sollen – sei es wegen eines Unfalls oder einer degenerativen Erkrankung -, kommt der Orthopäde ins Spiel. Damit die Reha erfolgreich zu Ende gebracht werden kann, braucht es aber nicht nur eine funktionierende Verbindung zwischen den Knochen, sondern auch eine zwischen Arzt, Physiotherapeut und Patient. Und genau dort klemmt es.

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„Im schlimmsten Fall landet man mit demselben Problem ein zweites Mal im OP, weil die Nachbetreuung schiefgelaufen ist“, sagt Dr. Alexander Georgi, selbst Orthopäde und Unfallchirurg in Leipzig und Mitgründer des Startups eCovery. „Die Patienten gehen einige Wochen zur Physiotherapie, aber die Zahl der Sitzungen ist eng begrenzt. In der Zwischenzeit sind sie mit Übungen zu Hause auf sich allein gestellt. Da wollen wir ran. Denn was der Patient zu Hause wirklich für die Reha tut, ist bisher eine Blackbox.“

Sensoren von der Größe einer 1-Euro-Münze sollen bei der Reha helfen.

eCovery will die Reha digitalisieren: Eine App zeigt Übungen für zu Hause, und die Patienten werden mit Sensoren ausgestattet, die direkt Feedback geben, ob die Bewegungen korrekt ausgeführt werden – zum Beispiel, wenn es in einem Spiel darum geht, Meteoriten auszuweichen und so Stück für Stück die Funktionsfähigkeit des Knies wiederherzustellen.

Kontinuierliche Behandlung für schnelle Heilung

Durch die Bewegungsdaten können auch die behandelnden Ärzte und Physiotherapeuten nachvollziehen, wie die Rehabilitation vorankommt. Diese kontinuierliche und koordinierte Behandlung soll erreichen, dass die betroffenen Gelenke schneller wieder vollständig einsatzfähig sind. Das innovative Konzept hat die AOK PLUS überzeugt: eCovery ist als eHealth-Startup in der neuen Klasse im Leipziger Accelerator SpinLab dabei.

Das Team besteht derzeit aus dem Unfallchirurgen Alexander Georgi, den Sporttherapeutinnen Hannah Wahlers und Anja Bellmund, dem Marketing-Experten Benedict Rehbein sowie dem Juristen Marcus Rehwald. Der Fokus liegt zunächst auf dem Knie, zukünftig soll das Angebot auch für Sprunggelenk, Schulter und Rücken weiterentwickelt werden.

Türöffner ins Gesundheitswesen

„Die AOK PLUS war der Hauptgrund, uns im SpinLab zu bewerben“, sagt Marcus Rehwald. „Die Hürde für den Eintritt in den deutschen Gesundheitsmarkt ist sehr hoch, da brauchen Startups einen langen Atem. Wir wollen unser Produkt für die Patienten und Krankenkassen maßschneidern, und mit Hilfe der AOK PLUS können wir uns mit den entscheidenden Akteuren vernetzen.“

Viel Zuspruch von Kollegen und ihren Mentoren an der Leipziger Uniklinik haben sie schon jetzt. Hannah Wahlers befragte für ihre Abschlussarbeit sogar Physiotherapeuten mithilfe des Dachverbandes, wie sie ein Produkt wie eCovery fänden – mit vielen positiven Reaktionen. „Wir nehmen also niemandem etwas weg, im Gegenteil“, sagt Alexander Georgi. „Unser Produkt ist eine Hilfe für Krankenhäuser und Physiotherapeuten, denn sie selbst haben ein Interesse daran, die Qualität der Behandlung zu verbessern.“

Wenn das Team eine Pause braucht, kommt gern mal der Tischkicker in der Gemeinschaftsküche des SpinLab zum Einsatz.

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